Freitag, 17. Mai 2013

Frauenrechtsquilt Block 37

Nameless star - namenloser Stern. Das ist einer der vielen Namen, den dieser Stern trägt.
Das "Muster ohne Namen" nimmt das Thema der Namensänderung bei der Eheschließung auf. Das ist ja auch ein ganz spannendes und auch in meiner Lebensgeschichte kommt es vor. Ja! Ich habe nämlich auch mal "Ja" gesagt. Allerdings hatte ich zu dem Zeitpunkt schon zwei Kinder und - es ist kein Geheimnis - von zwei Vätern. Das zweite streute bereits Blumen, hätte aber bei der Eheschließung locker den Namen seines Vaters annehmen können. Fand ich damals auch komisch: da wäre einfach die Geburtsurkunde ausgetauscht und auf einen anderen Namen ausgestellt worden. Das erste nicht, das hätte adoptiert werden müssen. Das wollten wir nicht. Doppelname? Wäre auch nicht für das erste möglich gewesen und die vierköpfige Familie hätte drei Namen geführt, wollten wir nicht. Ehemann den Namen der Frau annehmen? Wollte er nicht. Die Kinder verschiedene Namen? Wollte ich nicht. Also ist alles beim Alten geblieben: jeder hat seinen Namen behalten.
Erst später habe ich darüber nachgedacht, was so eine Namensänderung auch an Identitäsverlust bedeuten kann. In meinem Job habe ich einen NAMEN, einen den nicht jeder schreiben kann, den aber jeder kennt. Man kann mich googlen und findet mich. (Ob das ein Vorteil ist, da kann man drüber streiten, aber das geht beim Studium los, man müsste unter Pseudonym leben, schreiben, arbeiten) Und mein NAME macht mich meiner Familie zugehörig. Zum Familientreffen hießen alle gleich (ich habe zwei Brüder) - find' ich schön.
Dieser Namenlose Stern erinnert an Lucy Stone, die sich 1855 weigerte, bei der Heirat ihren Namen zu ändern. Sie meinte, dass ihr Name ein Teil ihrer Identität sei und nicht verloren gehen sollte. Das war damals nicht möglich, erneute Diskussionen von verschiedenen Journalistinnen in den 1920ern wurden wieder vehement abgelehnt, das soziale und rechtliche System wäre ins Wanken gekommen. Schließlich konnte man als Frau nicht wählen, kein Buch ausleihen oder im Hotel ein Zimmer nehmen, wenn man nicht die Identität des Ehemannes benutzte.
Und man kann es sich fast nicht vorstellen, dass es noch bis in die 1970er dauerte, bis gesetzlich geregelt wurde, dass jeder bei der Eheschließung über seinen Namen frei entscheiden kann. Mehr zur Geschichte des Themas hat Regina für uns übersetzt.


Im Gespräch mit meiner vielköpfigen Familie und Patchworkfamilie (wir sechs tragen gemeinsam drei Namen!) zum Thema fanden wir noch eine weitere Eigenart zum Umgang mit Frauenrechten in der deutschen Sprache. Da gibt es so ein seltsames Wort: MÄDCHENNAME... Der Junior hat sich immer fürchterlich aufgeregt, wenn wir ihn geneckt haben: "Na, Dein Mädchenname ist doch ..."

Und nun habe ich einen Stern genäht! Das wollte ich ja schon immer mal. Wenigstens einen. Nicht so, wie die Mitstreiterinnen von Grit, die damit ganze Quilts füllen :-)

Ein Haus zu diesem Block gibt es nicht, nicht, weil ich keine Lust hätte oder so, aber zwei der Stoffe habe ich schon bei anderen Häusern vernäht und nun habe ich zwar Schnipsel gemacht aus dem Punktestoff, aber für irgendein anderes Häuschen. So ist es halt, beim Frauenrechtsquilt nehme ich die Stoffe immer wieder in die Hand.

Kommentare:

  1. Was sind schon Namen - Namen sind Schall und Rauch- sagt der Herr Goethe!Ich habe 3 x gewechselt. Beim 1. Mal war es so üblich. Dann weil ich den Namen von diesem Herrn nicht auf meinem Grabstein stehen haben wollte und nun finde ich es nicht mehr so wichtig. Aber Leutheuser-Schnarrenberger wollte ich schon gar nicht heißen. Den Stern kenne ich doch irgenwo her?!?
    Lg Marianne

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  2. ...Mühlentag vielleicht, ist wetterabhängig... sonst lass ich es ruhig angehen...
    herzlichst Steffi

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  3. Ich stand damals auch da und fragte mich, wie ich es denn gerne hätte. Den Namen meines Mannes annehmen und zu diesem Teil der Welt gehören? Nein, auf keinen Fall. Kannte ich gerade mal den Vater ein kleines bischen. Meinen "Mädchennamen" behalten und meine Kinder heißen anders als ich? Nee, das geht schon mal gar nicht. Ich habe mich für einen Doppelnamen entschieden und das war auch gut so. Und ich lege Wert darauf. Werde ich nur mit meinem Mädchennamen genannt, dann klingt das für mich nicht mehr richtig und wenn man mich mit dem Namen meines Mannes anspricht, dann ist das genauso flasch klingend. Aber beides, ja, das bin ich. Ich ehre dadurch meine Familie und meinen Vater (dem es recht herzlich egal ist wie ich heiße), denn ich lebte schließlich 36 Jahre mit diesem Namen. Und ich zeige die Zugehörigkeit zu meinem Mann und auch das ist okay so. Ich dachte mal darüber nach, ihm meinen Mädchennamen "zu schenken", wenn er es 10 Jahre mit mir aushält. Jetzt sind es 12 und ich hab´s nicht gemacht und werde es wohl auch nie. Tja, für mich sind Namen nicht Schall und Rauch, für mich ist es meine offizielle Identifikation, so, wie ich auch Nana bin.

    Nana

    PS: In Mexiko tragen die Männer zusätzlich den Mädchennamen der Mutter in ihrem Nachnamen und zwar so: Vorname, väterlicher Nachname, mütterlicher Mädchenname. So steht es in ihren Pässen und so müssen sie auch unterschreiben.

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    1. Und die nächste Generation trägt dann vier Namen? Oder in lustiger frei gewählter Kombination?

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  4. Ich hab mal einfach gar nicht geheiratet, weil ich sowohl Heiraten als auch die Namensänderung nicht so wichtig finde. Ich bin froh, dass ich meinen nicht besonders schönen aber einigermaßen seltenen Namen behalten habe. Der gehört zu mir. Und die Mädels heißen auch so.
    Die Schwiegereltern fanden das am Anfang wohl eher schlimm, dass ihre Enkelkinder nicht den Namen ihres Sohnes tragen, die sind da konventioneller und hätten es gern gesehen, dass ihr Name weitergetragen wird.

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    1. Ach, und der Stern ist toll gelungen!!!

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    2. Ja, find' ich auch. Er sieht so aus, als könnte er nach dem Zusammennähen noch alle Spitzen haben, was bei meinen Sternen nie selbstverständlich ist :-)

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  5. Ein wirklich schöner Stern! Spitze!!! :D

    Den "Mädchennamen" gibt es aber wohl nur noch umgangssprachlich. Soweit ich weiß, heißt der offiziell Geburtsname.
    Obwohl es bestimmt lustig wäre, wenn der Mann, der nach der Heirat den Namen seiner Frau angenommen hat, seinen ursprünglichen Namen unter Mädchenname eintragen müsste ... :o)

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    1. Ja, offiziell heißt es "Geburtsname". Interessant finde ich aber, dass wir das Wort noch benutzen. Es sollte doch längst ausgestorben sein wie z.B. "Leibchen", "Bürde", "Backfisch", "Tagwerk".... Man muss achtsam sein (Noch so ein Wort! Wer sagt noch "achtsam"?) beim Gebrauch seiner Sprache, sie verlottert unbemerkt still vor sich hin...
      Schöne Pfingsten!
      Valomea

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    2. Stimmt, manche Wörter halten ewig. Obwohl sie längst in der Vergangenheit begraben sein sollten ...
      Man sollte sich doch mehr der aktuellen Sprache befleißigen ... :O
      Dir auch ein schönes Pfingstfest! :D
      Arcto (die vielleicht einen Backfisch essen wird ;o) )

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    3. Das liebe ich so an Deinen Kommentaren! Du befleißigst Dich nämlich noch! Wusstest Du, dass ich mich u.a. in Herrn B. verliebte, weil er so schön altmodische Wörter verwendet. Und da war ich schon lange kein Backfisch mehr :-)

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