Sonntag, 22. September 2024

Impressionen aus Chomutov (Komotau) mit seinem Alaunsee und der Basaltorgel, Panská Skála (Herrenhausfelsen)

In Karlsbad war noch strahlender Sonnenschein, doch am nächsten Tag regnete es und die Temperaturen sind um mehr als 10 Grad gefallen. Erst mittags klart es auf und wir machen einen Spaziergang durch Chomutov, ehem. Komotau. Aussen herum häßliche Industrie und Plattenbauten, Richtung Zentrum alte Häuser, aber deutlicher Verfall
 

aber im Kern doch sehenswerte Häuser und Plätze
 
 
Teilweise  spannende Farben!


Es gibt eine auffallende Kirchendichte. Und bei manchen wirkt es, als passe der Turm nicht zum Schiff.
 

Erst bei genauerem Hinsehen erkennt man, dass die St. Katharinenkirche zu einem Schloss und später zum Rathaus umgebaut wurde. So was sieht man nicht alle Tage.
 

Am Markt hängt eine interessante Skulptur


Ansonsten können wir zu Komotau nicht viel sagen, außer vielleicht, dass der tschechische vegetariánský Döner, hergestellt von einem Ägypter, den man am Markt bekommen konnte, sehr gut geschmeckt hat.
Direkt am Ortsrand liegt der Alaunsee Kamencové jesero - eine weltweit einzigartige Sache, da der zweite Alaunsee, der in Kanada lag, ausgetrocknet ist. 
 

Ab 1588 wurde hier Alaun im Tagebau abgebaut. Da die Wasserableitung auf Dauer nicht gelang wurde der Abbau 1777 eingestellt und das Restloch füllte sich mit Wasser. Das Wasser enthält etwa 1% Alaun, auch Eisen und Ammoniak und sonst noch was und soll gut gegen Rheuma und Gicht sein. Also nix wie rein - kein Mensch ausser uns... Die Wassertemperatur von 25 Grad macht die Lufttemperatur von jetzt nur noch 15 Grad wett.


Das Wetter ist trüb und zeitweise regnet es, also können wir auch mal ein größeres Stück fahren. Unser nächstes Ziel ist Kamenický Šenov. Von der eigentümlichen Felsformation dort - Panská Skála - hatte ich im Vorfeld gelesen. 
 

Die Formation aus Basaltsäulen ragt bis zu 30 Meter aus der Erde. 
 

Die Säulen sind deutlich eckig, oft sechseckig und erinnern an Patchwork. Ich hab sofort Grandmothers flowergarden gesehen, Ihr auch?
 

Das Gestein ist vulkanischen Ursprungs und ist im Tertiär bei einem Ausbruch 30 Kilometer aus der Tiefe empor geschossen. 
 

Die Säulen neigen sich zur Mitte hin und scheinen unten dicker als oben. Sehr spannend!
 

Von der Basaltorgel machen wir uns auf Richtung Norden. In den Dörfern finden sich häufig Umgebindehäuser, teilweise schmuck saniert. 
 

Leider können wir in den engen Bergstraßen nicht jedes Mal anhalten und es wird zudem dunkel. 
 

Umgebindehäuser kannte ich aus der Niederlausitz, meiner Ursprungsheimat. Das Typische ist die ins Hausinnere zurückgesetzte Bohlenstube im Erdgeschoss, die meist nur eine Haushälfte umfasst und die quasi losgelöst von den Holzständern mit den Rundbögen ist, die den ersten Stock und das Dach tragen.
 

Hach, da bekommt man doch fast wieder Lust auf eine Haussanierung! *lach*
Wir finden einen super Parkplatz für umsonst. Er ist niegelnagelneu und der Parkscheinautomat wirft zwar nachts sein blaues Auge in die Landschaft, funktioniert aber noch nicht. 
 

Wozu hier mitten im Nichts so ein großer Parkplatz nötig ist erschließt sich uns nicht. Ob es mit der Heiligen Maria zu tun hat, zu der ein Wegweiser führt? 
 

Mit dieser Übernachtung endete unser diesjähriger Aufenthalt in Tschechien. Das Wetter ist gruselig und deshalb lassen wir die geplante Wanderung zum Prebischtor im Elbsandsteingebirge weg. Tschechien ist ein Reiseland, das uns sehr gut gefallen hat. Die Menschen waren überall freundlich, Tschechisch muss man nicht können, hilfreich ist es allerdings, sich mit diesen vielen putzigen S-Lauten auseinanderzusetzen, damit man die Worte sprechen kann. Aber das kennen wir ja aus dem Russischen.... Die Campingplätze sind ein bisschen rustikaler als hier bei uns, kosten dafür aber nur die Hälfte. Man kann wunderbar essen gehen und bekommt eine Menge für sein Geld. Tschechisches Bier wird überbewertet, aber der Kaffee Latte schmeckt gut. Da, wo wir unterwegs waren, haben wir uns überall sicher gefühlt und schon allein wegen der Geschichte ist Tschechien eine Reise wert. Ein sympatisches Land!
Unser Urlaub war allerdings noch nicht zu Ende. Und darum bekommt ihr noch einen nächsten Bericht, aber nicht heute....

Samstag, 21. September 2024

Impressionen aus Karlovy Vary

Karlsbad konnten wir natürlich nicht auslassen, angeblich das prächtigste der westböhmischen Bäder. Wir parken für wenig Geld am Bahnhof und laufen runter in den Ort. Gleich an der ersten Kreuzung begegnet uns das Sportevent des Tages: der Karlovy Vary Thriathlon Weltcup! Das ist ja wirklich witzig. Wir erwischen in jedem Urlaub irgendwie ein sportlichen Wettkampf, letzten Sommer den Marseille-Marathon...
Die Frauen sind gerade auf dem Rad... 
 

Wir tauchen aber erst einmal in die Kurpromenade mit ihrem Menschengewimmel ein. 
 

Die Kolonaden sind auch hier prächtig. 
 

Auch hier beeindruckende Schnitzereien
 

Die Quellen im Gegensatz zu Marienbad alle heiß (vary=kochend). Zum Glück steht es immer dran, wie heiß die Quelle ist.
 

Die Kurgäste trinken das Heilwasser aus diesen witzigen platten Kännchen, wohl, damit man das Wasser beim Lustwandeln nicht verschüttet
 

Die Sprudelquelle mit 73 Grad schießt viele Meter hoch. 
 

Auch in Karlsbad gibt es gut sanierte Gebäude im Jugendstil, wir freuen uns an den schönen Balkons


Da gibt es soooo schöne Geländer!


Die Häuserzeilen entlang der Tepl sind wirklich sehenswert


Manchmal sind es die Details, die mich ein Foto machen lassen.
 

Die russisch-orthodoxe Kirche ist prächtig. Leider darf man innen nicht fotografieren.
 

Dann feuern wir die Triathleten an. Die Frauen waren schon vormittags am Start, die Männer nachmittags.
 

Eine Frau und zwei Männer sind für Deutschland am Start, mit einem unterhalten wir uns vorher. Sein Rad wiegt nur 8 Kilo! Nach dem Schwimmen an einem See auswärts fahren sie Runden in der Stadt , ein Stück mit einer unglaublichen Steigung. 
 

Wir sind beeindruckt und feuern an bis zum Schluss. Erst abends geht unsere Reise weiter. Am liebsten wieder an einen See... es sind immer noch 29 Grad. Aber für die Folgetage war ein Wetterumschwung vorhergesagt. Wir fahren in einem großen Bogen um das militärische Sperrgebiet östlich von Karlsbad herum. Das hat wohl auch eine sehr traurige Geschichte, aber damit haben wir uns noch nicht beschäftigt. Wir landen am Stausee Nechranice, der von der Ferne im Abendlicht sehr schön aussieht,
 

uns dann aber mit einer seltsamen hellblauen Ablagerung am Ufer doch nicht zum Baden einlädt.
Und wie es dann weiter ging erzähle ich Euch morgen.
 

Freitag, 20. September 2024

Impressionen von der Burg Loket und vom Kaolinsee Jimlikov

Nachdem wir die Zinngrube Lauterbach und das geschleifte Dorf hinter uns gelassen haben fahren wir Richtung Loket. Wir parken für 250 Ckr (10 Eu) auf einem kleinen Parkplatz an der Straße entlang des Egerbogens. Parken ist hier schwierig... umso erstaunlicher, dass die Stadt nicht von Touristen überrannt war. Aber es ist eben schon September...
 
 
Wir besichtigen natürlich die Burg, die man schon von Weitem hoch über der Eger liegen sieht, eine kleine kompakte, mittelalterliche Burg, holzschindelgedeckt und mit diversen Baustellen versehen. 
 

Es gibt viele spannende Ausstellungen, den Meteoriten, der im 13. Jahrhundert auf Loket fiel, die Tonnengewölbe von oben, so dass man mal sehen kann, wie sie es in verschiedenen Techniken gemauert haben
 

und Wandmalereien aus dem Mittelalter, deren Alter man beim Anschauen nicht vermutet hätte,
 

den gebogenen Festsaal, 
 

die Folterkammer, die allein schon durch die Geräuschkulisse ziemlich gruselig ist,
 

und das Gefängnis, als das die Burg bis ins 20. Jahrhundert diente.
Die Zinn- und Porzellansammlung hat ein paar witzige Exponate. 
 

Eine schöne Burg! 
 

Dazu gab es ausgerechnet an diesem Tag ein Musikfest, dem wir eine Weile gelauscht haben. 
 

Das Örtchen selbst ist dicht gedrängt durch den Egerbogen, der die Stadt fast komplett einschließt, 
 

Es wirkt irgendwie verschlafen... die Kürbisse ranken über den Markt...
 

Aber sie wissen dort ganz genau, was sie wollen!
 

und was passiert, wenn nicht! 😂


Wir sehen einen versteinerten Baum, der viel filigraner ist als das versteinerte Holz bei uns aus dem Kyffhäuser.
 

Es sind immer noch 29 Grad. Ein See zum Übernachten - das wär' schön! Er findet sich nördlich von Karlsbad (Nova Role). Ein See, der auch ein bisschen mooriges Wasser hat, der Campingplatz-Betrieb ist ein bisschen eingeschränkt durch eine Hochzeit, aber das alles stört uns nicht. Wir grillen und schwimmen, es braucht nicht mehr...  
 

Auf der Hinfahrt zum Campingplatz war uns ein Baggersee aufgefallen und weil die Moorbrühe von Nova Role nicht so wirklich toll war halten wir am nächsten Tag hier noch einmal zum Baden bevor wir uns in Karlsbad ins Gewühl der Stadt stürzen. Der See ist ein zugelaufener Kaolintagebau, das Kaolin wird hier immer noch abgebaut. Das Wasser ist herrlich!
 


Donnerstag, 19. September 2024

Impressionen vom Moorsee Kladská, Důl Jeronym (Zinngrube Čistá), Čistá (Lauterbach), das geschleifte Dorf

Vom Kloster Tepl fahren wir nach Kladská. Um den Ort gibt es gleich zwei Moorseen. Auf Wegen und Holzstegen kann man sie umwandern. 
 

Auch abseits des Sees sieht man in den Wasserlachen die unglaubliche Moorfarbe.
 

Es gibt verschiedene Libellen. Eine hat sich bei mir sehr wohlgefühlt und wie wir später nachlesen konnten handelte es sich um eine Sympetrum vulgatum - die gemeine Heidelibelle. Soso... ;-)


Wir umwandern den kleineren See, bewundern die Häuser der Waldwichtel
 
und der sieben Zwerge


und machen es uns dann noch eine Weile mit Klappstuhl am Ufer gemütlich. 
 

Herz, was willst Du mehr! - einen See zum Baden natürlich! Denn im Moorsee ist es nicht so wirklich einladend. Aber es sind immer noch 29 Grad... Also machen wir uns auf an den nächstgelegenen Badesee (Michalsee bei Sokolov) und purzelten dort mitten in ein Radsportevent. Aber das störte uns nicht, führte im Gegenteil zu kostenfreiem Standplatz und das Wasser im See war super!
Am nächsten Tag drängte Herr B., noch mal ein Stück zurück zu fahren. Er fliegt auf jedes Bergwerk und ich muss zugeben: Dieses war schon besonders! Sehr ursprünglich.... 😉 Abgebaut wurde seit dem 15. Jahrhundert Kassiterit - Zinnstein - und es wurde Zinn gewonnen, erst durch Seifen, später durch Abbau im Bergwerk. Die Grube erwies sich aber schon im 18. Jahrhundert als nicht mehr rentabel und geriet in Vergessenheit. Erst in den 80ern wurde ein Eingang entdeckt und nun wird sie nach und nach zugängig gemacht, verschüttete Gänge freigelegt. 
 

Der Abbau erfolgte damals naturgemäß unter primitivsten Bedingungen. Man sieht die Spuren von Hammer und Schlägel sehr deutlich
 

Die Qualität der Wege, Steige und Treppen ist spannend! Hier in Deutschland undenkbar, sofort hätten TÜV, Berufsgenossenschaft und spätestens Hygiene das Begehen verboten! *lach* 
 
 
Ich habe mich wirklich gewundert, dass keiner der Führungsbesucher hingestürzt ist auf dem glibberigen Untergrund ohne echte Haltemöglichkeit und mit sehr wenig Licht.... Aber wir sind alle heil wieder rausgekommen. Wir fuhren weiter und stolperten gleich in ein neues Drama...
Bei manchen Geschichten bleibt einem der Mund offen stehen. Wir wussten, dass die Grube Jeronym zum Ort Čistá (Bergstadt Lauterbach) gehört hat, aber weit und breit war kein Ort zu sehen. An der nächstgelegenen Straßengabelung sehen wir etwas, das aussieht wie eine archäologische Ausgrabung. Dann erst erkennen wir es: mit großen Natursteinen aus früherem Mauerwerk ist der Grundriss einer Kirche markiert. 
 

Eine Tafel erklärt, dass hier nach dem Ende des 2. Weltkriegs alle deutschen Einwohner vertrieben wurden, die Gegend zum militärischen Übungsgebiet wurde und Čistá durch einen Artillerieangriff dem Erdboden gleichgemacht wurde. 
 

Ein Grabstein für einen Ort...
 

Beim Nachlesen erfahren wir, dass dieses Schicksal wohl viele Orte in den überwiegend von deutschen Bürgern bewohnten Gebieten der Tschechoslowakei betroffen hat. Sie wurden direkt nach dem 2. Weltkrieg geräumt, die Deutschen vertrieben. Die meisten Häuser wurden durch Menschen verschiedener Nation aus Gegenden ostwärts wieder bewohnt, aber es sind wohl mehr als 1000 Orte ganz von der Landkarte verschwunden. Jahrzehntelang wurde nicht darüber gesprochen. Aber jetzt holt die junge Generation dieses Thema zurück ins Licht der Öffentlichkeit - nicht, um Vergeltung zu suchen, sondern um die Nationalgeschichte von allen Seiten zu beleuchten.
Nachdem wir dieses Stück Historie ein bisschen verdaut hatten fahren wir weiter Richtung Norden mit einem klaren Ziel vor Augen. Aber das ist eine Geschichte für einen anderen Tag.
 
Moorsee Kladská, Důl Jeronym, Zinngrube Čistá, Lauterbach und Čistá (Lauterbach)