Im Juli muss vor Hitze braten
was im September soll geraten
Dieser Spruch passt doch perfekt zu unserem Juli-Wetter! Was für ein Sommer.... ich muss immer auf meine
Temperatur-Quilts schauen und denke, so viel Dunkelrot wie es dieses Jahr gegeben hätte, sieht man in keinem der Jahre.....
Im Juli...
... sind wir am ersten Tag des Monats losgefahren. Mit Camperauto und einer Freundin. Unser Ziel war die
Kaschubei in Polen, von der ich Euch bisher noch nichts erzählt habe.
... haben wir unterwegs in Nordpolen einen Zwischenstopp gemacht am Jezioro Lubie (Großer Lübbesee), einem sehr schönen See am Rande eines Landschaftsparks.
... haben wir auf der Drawa eine Kanutour gemacht - eine wilde Sache! Solche Flüsschen würde man in Deutschland als unbefahrbar erklären... *lach*
... konnten wir in Czaplinek (Tempelburg) in der alten katholischen Kirche einen ungewöhnlichen Baldachin-Altar anschauen
... genossen wir den Anblick ungezählter Seen in der Kaschubei, einem Landstrich westlich von Gdansk (Danzig), in dem ein eigenes Völkchen lebt, die Kaschuben.
... machten wir eine Moorwanderung im Bagno Kusowo, dessen Zuwegung wir erst dolle suchen mussten, die touristische Beschilderung fehlt vielerorten. Die Wege waren teilweise mit Stegen ausgebaut, aber stellenweise war es auch sehr "feucht" unter den Füßen
...wuchs gleich neben dem Pfad überall Sonnentau und Wollgras
... haben wir uns im Moor den Bauch mit Blaubeeren vollgeschlagen und erst später - beim Bestimmen der ungewöhnlichen hohen Beerensträucher - haben wir gelernt, dass die dunkelgrünblättrigen Pflanzen Rauschbeeren sind. Hat uns aber nicht geschadet... ;-)
... konnten wir erleben, dass man sich in Polen tatsächlich um die alten Alleen kümmert. Ich bin vor Jahren schon mal in Polen gewesen und habe diese Alleen bewundert. So schön! Jetzt sieht man an vielen Stellen Nachpflanzungen, auch weiter nach außen gesetzte, damit ein Straßenausbau Platz hat.
... haben wir manchmal auf Campingplätzen, aber auch frei in der Natur übernachtet. Polen ist da großzügig. Und es ist schon wunderschön, morgens direkt an einem See zu stehen und ins Wasser zu hopsen, noch vor dem Frühstück... Die Seen sind glasklar!
... lernen wir Fichtenspargel kennen, ein Schmarotzer ohne Chlorophyll
... besuchen wir die Ordensburg in Bytow. Hier gibt es ein Museum zur Kultur des Landstrichs und traditioneller und moderner Kunst. Hier war Kreuzritterland...
... sind wir gleich zwei Tage an einem kleinen Moorsee im Bereich des südlichen Kreuzsees stehen geblieben. So eine schöne Landschaft! Das Baden im Moorsee ist eine ganz eigene Erfahrung, es kommt einem so ein bisschen vor als schwimme man in Kaffee.... *lach*
... staunten wir so manches Mal über die Einfachheit der Campingplätze. Genau richtig für uns - mehr brauchen wir nicht! Dazu gibt es meistens großzügige Weite, freie Platzwahl, wenig Menschen und Infrastruktur.
... war es manchmal auch ein bisschen abenteuerlich... ;-)
... besuchten wir an einem Regentag das Kaschubische ethnologische Freilichtmuseum, eine sehr beeindruckende Anlage, in der Häuser der Region aus verschiedenen Zeiten zu sehen sind, oft auch von innen mit historischem Inventar. Neben vielen Häusern war ein liebevoll bestellter Hausgarten - sehr schön gemacht!
... wunderten wir uns über die "Ausziehbetten", die es in vielen Häusern zu sehen gab, aber offenbar lebten typischerweise zu viele Menschen auf zu wenig Platz. Es war wohl immer ein armer Landstrich, diese Kaschubei.
... konnten wir ein bisschen was über die Geschichte der Gegend lernen, die Kaschuben wurden immer abwechselnd von Osten und Westen überrannt, ihre Kultur und Sprache wurde unterdrückt und erst jetzt finden sie allmählich zurück zu ihren Wurzeln.
Inzwischen sieht man zweisprachige Ortsschilder und die regionaltypische ornamentale Bauernkunst ist vielerorts präsent
... essen wir im Museumsrestaurant ein landestypisches Mittagessen: Kartacze (mit Fleisch gefüllte Kartoffelknödel auf Sauerkraut) - sehr, sehr lecker! (vegetarische Variante war nicht)
... wurde das Wetter in Nordpolen immer kälter und nasser, ich bade bei 13 Grad Außentemperatur zum letzten Mal in einem Kaschubischen See und dann verwerfen wir die Idee, an die Ostsee zu fahren sondern fahren 400 km nach Süden zum Lubiekowskie-See.
Das war eine gute Entscheidung!
... schlaumeln wir 5 Tage an diesem riesigen See herum, wohl einer der saubersten Seen Polens. Das Wasser ist so klar, dass man viele Meter weit nach unten schauen kann. Wir fahren Kanu und Standup-Paddle, schwimmen und sitzen am See rum.
... quilte ich ein paar Blöckchen am Dear Jane
... spielen wir abends lauter verschiedene Spiele und genießen die lauen Abende
... mussten wir uns dann aber doch auf den Heimweg machen und der Abschied fiel auch leicht, denn zu Hause wartete schon die kleine Familie auf uns. Klimaflüchtlinge aus Wiesbaden. Bei uns im Garten ist es viel besser auszuhalten als auf einer Dachterrasse mit 40°C.
... sind genügend Gurken gewachsen, so dass es immer wieder Gurkensalat gibt, der zu den Lieblingsspeisen der Enkeltochter gehört
...hilft die 5-jährige beim Johannisbeeren abpulen und lernt, dass schlechte Johannisbeeren aufschwimmen wenn man sie beim Waschen ein bisschen umrührt
... macht die Tochter eine Erdbeercrunchie-Torte - sehr lecker
... spielen wir Zug-um-Zug mit der Enkeltochter, wir "normal", sie mit einer selbsterfundenen Vorschulkinderregel, sie lernt eine Menge dabei!
... lüftet der 1-jährige Enkelsohn endlich mal wieder meine Knöpfe während die Enkeltochter und ich am Autoteppich nähen
... haben wir eine herrliche Zeit miteinander! Wir besuchen fast täglich die Pferde im Garten der Freundin, rutschen, schaukeln, springen auf dem Trampolin, die Enkeltochter gärtnert mit mir und der Enkelsohn macht die ersten selbständigen Schritte. Wir üben laufen und sind glücklich!
... reist die kleine Familie am letzten Tag des Monats wieder ab. Fast drei Wochen waren sie hier bei uns und ich habe es genossen... Der August startete mit dem Wegräumen der Spielzeuge und Schaukeln und er wird uns nun wieder allerhand Große-Leute-Zeugs bringen. Und das ist ja auch nicht schlecht.