Freitag, 21. Juni 2013

Frauenrechtsquilt Block 38: Nonsense

Ich nähe mich "rückwärts", hatte ein paar Wochen keinen Block genäht, weil die Taschenspielertricks mich so in Schach gehalten haben. Nun kommt Block 38 und der ist wahrhaftem Nonsense gewidmet! Und dazu brauchte ich unbedingt "Fahrradstoff"!

Die Übersetzung von Regina zum Thema macht einen schon sprachlos:
"Um Frauen zu unterdrücken und von Sachen, die Spass machen fern zu halten, war jedes Mittel recht: auch "medizinische" Argumente wurden dafür benutzt!! Erst letzten Herbst hat eine politische Kampagne in Amerika daran erinnert, dass irrige Meinungen und falsche Informationen über die weibliche Anatomie trotz anders lautenden wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Trotz noch im Umlauf sind!!! Die geheimnisvolle Biologie des weiblichen Körpers ist immer wieder benutzt worden, um die Frauen in ihrer Freiheit einzuschränken: sei es die Benutzung von Fahrradsatteln, von Nähmaschinen (!!!!!) oder beim Reiten!!!
So warnte Charlotte Smith, Präsidentin der "FrauenRettungsLiga" vor Fahrrädern: " .....ich weiss aus Informationen von Ärzten, dass es zu Abzessen gekommen ist, die operativ behandelt werden mußten. Der Sattel verursacht viele Verletzungen. Es ist nicht zuviel gesagt, wenn ich behaupte, dass das Fahrradfahren die Gesundheit von tausenden von Frauen in diesem Land ruiniert hat...."
1871 warnte das "Boston Medical and Surgical Journal", dass Nähmaschinen "tödliche Effekte" hervorrufen können: als Beispiel werden 2 Schwestern angeführt, die aufgrund intensiven Nähens an der Nähmaschine krank geworden sind: eine erkrankte an "metritis" ( habe keine Übersetzung gefunden..), die andere an einem Tumor der Eierstöcke.
Und dann natürlich das Verbot, "normal" auf einem Pferd zu sitzen: es war damals vorgeschrieben, dass alle Frauen älter als 12 Jahre im Damensattel zu reiten hatten!!! Auch in England erlaubte König Georg V. es 1913 nicht, dass Frauen rittlings auf einem Pferd sitzen durften! Und doch wagte es Inez Milholland im Jahre 1913 beim Marsch der Frauen auf Washington rittlings auf einem Pferd zu sitzen, allerdings fast vollständig unter einem weiten Umhang verborgen!!!"

Und so wurde zu diesem Thema ein Block ausgewählt, der vor 100 Jahren den Namen "Nonsense" bekam....
Aber mal ehrlich - so nur unter uns - es könnte schon passieren, dass man vom vielen Nähmaschinenähen krank wird, weil man dann nämlich manchmal nachts näht, statt zu schlafen und die Folgen des Schlafmangels könnten kritische Ausmaße annehmen ! :-)



Vor dem Gewitterguss gerettet - der erste Sieger!

Donnerstag, 20. Juni 2013

SewAlong bei Liz

Liz hatte ja dieses Jahr zum SewAlong "Home sweat home"zur Verschönerung unserer Wohnungen, Zimmer, Häuser... aufgerufen. Die Quartalsaufgabe ist im Moment in der Küche angesiedelt. Für mich war ganz schnell klar, was die Küche bereichern soll, aber genäht war es nur allmählich.
Aber nun sind die vier Tischsets fertig und ich habe das "Familien-Tischset" mal gemeinsam fotografiert. Jedes anders und doch irgendwie gleich. Über die Entstehung hatte ich bereits an verschiedenen anderen Stellen berichtet (zuletzt hier), denn die Sets sind nicht an einem Stück entstanden.


 

Mittwoch, 19. Juni 2013

Umfrageergebnis zur Tagesfrage:


Nähzimmer:        NEIN                                         Biergarten:          JA


Marianne hat dazu gesagt "die Luft steht" - hier hat es 100% relative Luftfeuchte, man kann es nur mit einem Mochito in der Hand aushalten!

Derweil beobachten wir seit Tagen auf der Terrasse ein wahrhaftes Ringen um den Sieg, alle Kakteen wollen der Erste sein! Man kann Wetten abschließen.






Und damit sage ich für heute Tschüß! Ihr wißt ja, wo Ihr mich findet :-)

Dienstag, 18. Juni 2013

Frauenrechtsquilt Block 41: Contrary wife

Dieser Block spricht von der Geschichte einer starken Frau. Mitte des 19. Jahrhunderts war es noch selbstverständlich, dass Ehen lebenslänglich eingegangen wurden (bis dass der Tod euch scheidet...) Damals gab es eine aufsehenerregende Scheidung in Philadelphia: Die englische Schauspielerin und Schriftstellerin Frances Anne Kemble und der Amerikaner Pierce Mease Butler hatten schon kurz nach der Hochzeit gemerkt, dass ihre Lebenswelten und -ansichten sehr verschieden waren. Sie war eine moderne junge Frau, die die Sklaverei ablehnte, er war ein Sklavenbesitzer. Frances blieb anfangs wegen ihrer Töchter noch bei ihrem Mann, dann aber ging sie wieder nach England, kehrte als Schauspielerin zurück auf die Bühne und die Ehe wurde geschieden.
Frances wurde den jungen Frauen von damals als abschreckendes Beispiel vor Augen geführt, ihr Verhalten empörte die traditionelle Bürgerschaft, der Verlust des Kontaktes zu ihren Kindern entmutigte wohl so manche junge Frau, dem Beispiel von Frances zu folgen. Mehr dazu lesen könnt Ihr hier.

Für mich persönlich beanspruche ich das Recht, unabhängig von finanziellen oder gesellschaftlichen Beweggründen über das Eingehen oder den Fortbestand einer Ehe/Partnerschaft zu entscheiden. Aber selbstverständlich ist das auch heutzutage und hierzulande nicht! Gerade für Frauen, die für Mann und Familie eine eigene Berufstätigkeit aufgegeben haben, viele Jahre ihr "kleines Familienunternehmen" geführt haben und für die die Rückkehr ins Berufsleben später oft sehr schwierig ist, für sie ist eine Trennung oft aus finanzieller Sicht nicht realisierbar.
Dieser Block sei somit der Entscheidungsfreiheit gewidmet:


Dazu gibt's ein Häuschen. Die Stoffwahl für den Frauenrechtsquiltsblock war dieses Mal echt schwierig, nicht wegen des Blocks selbst, sondern wegen des Häuschens. Inzwischen habe ich nämlich alle Stoffe, die für den Frauenrechtsquilt vorgesehen sind, in irgendeinem Haus vernäht - das ist also voraussichtlich das letzte Häuschen, das zu Frauenrechtsblöcken genäht wird. Schick' ich halt mal ein paar Bauarbeiter in Urlaub :-) 
Dach und Fenster sind hier auffallend "bühnenreif" ausgewählt worden. Noch 'ne Berühmtheit in der Nachbarschaft: Frances Anne Kemble Butler




Montag, 17. Juni 2013

Eine Chimäre oder ein Täschchen-Silo?

Der letzte Schnitt auf der Farbenmix-CD ist die Patience. Eine erste Auslegung habe ich Euch ja hier schon gezeigt. Nun kam mir aber eine andere Idee. Auf den Blogs bei Emma gab es ja auch wunderhübsche Kosmetik-oder-Sonstwas-Täschchen aus diesem Schnitt zu sehen. Wie wäre es also mit einer Chimäre?
So sieht es als Täschchen aus:


Und umgeschlagen gibt es ein fesches standsicheresUtensilo:


Ich dachte dabei zum Beispiel an ein junges Mädchen, die ständig ihr Schminkzeug im Bad breitwirft, dann muss es aber zurück in das Zimmer, dann muss es mit in das andere Bad, also lohnt es sich überhaupt nicht, den Kram ins Regal zu räumen. Solange kann ja alles auf dem Waschbeckenrand.... Ob sich mit so einem Täschchen-Silo das Chaos - sagen wir mal nicht: "beseitigen"! - ähem... reduzieren lässt?

Sonntag, 16. Juni 2013

Frauenrechtsquilt Block 39: Rank and Rights

Ein nähfaules Wochenende! Aber faul war ich nicht, nur ruft im Sommer der Garten lauter als die Nähmaschine und das Wetter war einfach phantastisch. Deshalb gibt es nur eine Kleinigkeit, ich muss mich beim Frauenrechtsquilt beeilen, mir fehlen noch ein paar Blöcke und bald sollen ja alle genäht sein.
Dieser Block erinnert an die Probleme und Ungerechtigkeiten, die die mehr oder weniger ausgeprägte "Hackordnung" der Hirachien einer Gesellschaft mit sich bringt. Das Dilemma geht mit der bildhaften Beschreibung der Bibel los, nach der Eva aus einer Rippe des Adam erschaffen sei, zieht sich durch die Jahrhunderte der Abhängigkeit von Menschen durch Sklaverei, Leibeigenschaft, Frondienst... Könige und Kaiser regier(t)en die Welt, hatten das "göttliche Recht" geerbt, alle anderen Menschen unter ihnen wurden in Ränge oder Kasten hineingeboren. Und die Frauen standen (und stehen) auf diesen Hirachieleitern meistens ganz, ganz unten.
Nun behaupten wir zwar, dass wir in einem modernen Zeitalter leben, einem Zeitalter, wo solche Gedanken überholt sind, aber wenn wir nur mal an die end- und fruchtlosen Diskussionen um eine Quotenregelung bei der Besetzung von Führungspositionen denken, werden wir eines Besseren belehrt.
Dieser Block erinnert mit seiner Gestaltung an die "Hirarchie-Stufen":


Sofort wurde auch noch ein Haus dazu gebaut, leider konnten die Bauleute keine Treppe sichtbar einbauen, das ist hier alles ebenerdig. Aber auch so gefällt es mir sehr gut. Über dem Haus schwebt eine abgelegte Bluse, die ist sozusagen jetzt im Blusenhimmel.

Donnerstag, 13. Juni 2013

Frauenrechtsquilt Block 40: Art square

Hihi, das ist Schummel! Ich bin nämlich noch gar nicht bei Block 40, aber der hat mich gerade so angelacht!
Ein interessantes Thema: die Anerkennung von Frauen als Künstlerinnen. Regina hat es wieder so prima übersetzt, dass ich dazu gar nix mehr schreibe:
"Als Barbara Brackman in den 1960er Jahren auf der Kunstschule war, gab es von Horst W. Janson ein Standardwerk über die Kunstgeschichte, in dem unter 3000 Bildern NICHT eines von einer Frau war!!! Auch ihre Professorin Dr. Marilyn Stockstad erwähnte nie, dass absolut keine Künstlerin dort vertreten war!!
Als Janson gefragt wurde, warum man keine weiblichen Künstler in seinem Buch findet: "sie sind einfach bedeutungslos!!" Die Männer, die in dem Buch erwähnt werden, "repräsentieren hervorragende Leistungen an Phantasie, ...so dass der eine oder andere die Geschichte der Kunst mitbestimmt hat..."
Und: " ich habe nicht eine Frau gefunden, die es verdient hätte, in einem einbändigen Werk über Kunstgeschichte erwähnt zu werden."
Eine Künstlerin, die Barbaras Sicht zu Malen verändert hat, ist die deutsche Gabriele Münter, die leider immer wieder nur im Zusammenhang mit Kandinski erscheint, da sie mit ihm eine Affäre hatte."

Da steht einem doch der Mund offen!
Was ist mit Käthe Kollwitz oder Paula Modersohn-Becker? Was ist mit der Italienerin Artemisia Gentileschi, der wohl bedeutendsten Malerin des Barock? Und mit den Niederländerinnen Judith Leyster oder Rachel Ruysch, deren Bilder höchste Preise erzielt haben? Was ist mit der Impressionistin Eva Gonzalès? Und was mit der Bildhauerin und Malerin Camille Claudel, die zeitlebens im Schatten von Auguste Rodin gearbeitet hat? Warum spricht niemand über die Mexikanerin Frida Kahlo, deren Arbeiten immer im Schatten von Diego Rivera standen?

Frida Kahlo steht mir von all diesen hier genannten und ungenannten am nächsten. Sie hat ein sehr beeindruckendes Leben geführt. Schwer gezeichnet durch die Folgen eines Unfalls hat sie viel Lebenszeit im Bett verbracht, dort hat sie angefangen zu malen. In ihren Bildern hat sie ihr Leben verarbeitet, ihr Leiden und auch ihre Beziehungsprobleme. Sie hat sehr viele Selbstbildnisse gemalt, liebte kräftige Farben, bunte Blumen und trug den exotischsten traditionellen Kopfschmuck. Ihr sei stellvertretend für alle Frauen, die ihr Leben der Kunst verschreiben, dieser Block gewidmet.


Bei der Suche nach passenden Stoffen für diesen Block bin ich auf einen Stoff mit Geschichte gestoßen. In einer Zeit, in der ich überhaupt nicht genäht habe, zwei kleine Kinder hatte und keine Zeit, da ist mir im Urlaub auf der Insel Bornholm in einem Stoffgeschäft dieser Stoff begegnet, viele Jahre später habe ich dann in meinem ersten Quilt etwas davon vernäht. Nun habe ich immer noch einen echten Schatz im Haus...

Die Bauarbeiter waren auch fleißig - das Haus der Frida Kahlo. Und ich bin ja total stolz, dass in meiner Nachbarschaft jetzt eine echte Künstlerin wohnt! Wenn sie nur meine Freundin sein könnte! Vielleicht würde ich mit meiner Art ihre Schwermut ein bisschen aufheitern und sie würde mich mit Inspirationen versorgen :-)