Montag, 13. Juni 2022

Ein Stopp an einem ganz besonderen Ort

Wir haben die heimische Scholle verlassen. Das fällt mir immer nicht ganz so leicht. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die ständig in Urlaub müssen. Der Corona-Reisestopp in den letzten Jahren hat mir persönlich nicht so viel ausgemacht. Ich fand "Urlaub im Garten" auch eine sehr schöne Alternative! ;-)
Aber ab und an bekommen wir Sehnsucht nach dem Meer. Und dann müssen wir los. Dieses Mal haben wir einen Stopp in den Beelitzer Heilstätten gemacht. Manch' eine kennt das vielleicht von Euch. Vom Namen her, vom Schild an der Autobahn A9 an der Abfahrt "Beelitzer Heilstätten" oder vom Ruf der Medizinischen Einrichtung als Lungenfachklinik/Neurologische Fachklinik.... Aber wir waren jetzt endlich mal dort, um den "lost place" zu besichtigen. Richtig "lost" ist das Arreal ja nicht mehr, vor ein paar Jahren hat ein Unternehmer den Wald gekauft und war dann doch sehr überrascht, was für Gebäude dort mitten im Wald verrotten! Kommt, ich nehme Euch mal mit. Die Klinik wurde zur Jahrhundertwende vor 120 Jahren errichtet. Inzwischen sind alle Bäume, die die Gebäude zuwuchterten, entfernt und man hat einen guten Blick auf die Gemäuer.
 

Man sieht am Stil der Gebäude sehr gut, dass damals noch "schön" gebaut wurde. Rings um alle Gebäude stehen fest installierte Bauzäune, so dass die Besucher sich nicht in die Ruinen verirren. Aber wenn man die Zäune ein bisschen ignoriert, kann man sich an der Architektur wirklich erfreuen!


Das ist das Obergeschoss der zentralen Küche.


Gebaut wurde der Klinikkomplex damals mit richtig viel Geld der Landesversicherungsanstalt. Es hatte die ersten Sozialgesetze gegeben und die Rentenkasseneinnahmen erbrachten einen krassen Überschuss, weil viele Menschen ihre Rente nicht erreichten, sondern eher starben. Schuld daran war in diesen Jahren auch die Tuberkulose, die bei den schlechten Lebensbedingungen der Arbeiterklasse in Berlin wütete. Dem sollte nun entgegen gewirkt werden. Die LVA hat eine Therapie in Beelitz auch für die Armen der Arbeiterklasse bezahlt, wenn sie in einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis standen. Damit war Berlin Weltklasse! Und die ganze Klinik arbeitete nach Spitzenmaßstäben. Die Hygienemaßnahmen waren hochmodern, es gab viel und gut zu essen - eins der Therapieziele. Das führte übrigens dazu, dass bei den Besuchstagen viele Lebensmittel aus der Klinik geschmuggelt wurden, denn zu Hause gab es eben nicht viel und gut zu essen...
Ein hochmodernes Krankenhaus entstand. Streng getrennt nach Männern und Frauen. Das ist z.B. der Frauenpavillion


Es gehörten immer Liegekuren mit zur Behandlung. Viele Stunden am Tag Liegen an der frischen Luft. Die Liegehallen haben kaum überlebt. Hier guckt man von oben auf ein ausgebranntes Bauwerk, wo die Hitze die Metallstreben völlig verbogen hat. Krass, oder?


Die Steinmauern dienen nur dazu, dass das Bauwerk nicht umfällt. Ursprünglich war die Liegehalle ein Holzgebäude, auf einer Seite offen. Später konnten wir dann noch eine gut erhaltene sehen:


Beeindruckend wird das Gelände durch den Baumkronenpfad, der den Besuchern ermöglicht, von oben auf die Anlagen zu schauen. Erst mal muss man natürlich hoch.


Und dann läuft man hoch in den Bäumen und sieht verschiedene Baumarten hautnah. Auch das ist ein seltsamer Anblick, den man sonst so nicht sehen kann - so dicht am Blattwerk.


Teilweise war man viel höher als die Gebäude und die Bäume


Und manchmal ist man mit den Ruinen Aug-in-Aug.


Der Baumkronenpfad bietet zusätzlich Kletterattraktionen für Groß und Klein. 
 

Da mussten wir natürlich auch durch! *lach*


Später haben wir dann noch eine Führung in der Alten Chirurgie mitgemacht. Das war das letzte Gebäude, das auf dem Gelände fertig gestellt wurde. Schon deutlich moderner und im Moment außen teilsaniert, damit man sich mal vorstellen kann, wie das Ganze damals gewirkt hat


Hier waren die Liegehallen direkt vor den Zimmern.
Innen in marodem Zustand wie alle Gebäude.


Aber auch hier ein ganz spezieller Charme der Architektur!
Der Bauschutt, abgeplatzte Putz... wurde einfach nur am Rand zusammen geschoben damit die Besucher durchgehen können...


In nur wenigen Räumen noch altes Inventar:


Die Klinik wurde von Kriegsende bis in die 90er hinein als russisches Militärkrankenhaus genutzt, das einen guten Ruf hatte. Vandalismus und Verfall setzten erst nach dem Abzug der Russen ein. Dafür dann umso heftiger!
Ziel der neuen Eigentümer ist Notsicherung. Es werden wohl keine Gebäude tatsächlich saniert werden. Umso mehr haben wir gestaunt, als auf der anderen Straßenseite - im ehemaligen Männerkomplex - tatsächlich eines der Häuser fast fertig saniert war. Wunderschön!
 

Das gehört vermutlich zur aktiven neurologischen Klinik, die man in der Ferne sehen konnte. Nun hoffen wir, dass es irgendwie gelingt, die Häuser vor dem weiteren Verfall zu bewahren. Denn die Architektur damals hatte einfach was....
 


Dann mussten wir weiter, denn neue Abenteuer warteten auf uns! Aber davon berichte ich Euch ein anderes Mal.

15 Kommentare:

  1. Liebe Elke,

    da ist es doch gar nicht sooo weit entfernt und nun schaue ich mir hier bei dir Bilder von den Heilstätten an. Ich glaube das müssen wir auch mal ein planen. Eine kurze Frage: muss oder wolltet ihr durch die Kletterattraktionen? Ein wenig schwindelig wird mir jetzt schon ... .

    Schade, das die Gebäude so verfallen sind und man keinen Nutzungsgrund gefunden hat. Ich finde es immer Schade ... wenn es einfach verlassen wird.

    Viele liebe Grüße deine nähbegeisterte Andrea

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  2. Schöne Bilder, und doch schon seht lost.
    LG Angelika

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  3. Hi Elke, ich kenne das vom Hörensagen, war jedoch selbst noch nie da. Die Fotos muss ich mir heute Abend mal auf dem PC ansehen. Ich liebe solche Lost Places. Habe mir schon sehr viele im WWW angesehen. Da geht dann immer die Fantasie mit mir durch beim Anblick von solch alten Gemäuern. Danke für das Zeigen und euch einen schönen Aufenthalt am Meer wünscht Rela

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  4. Vielen lieben Dank fürs Mitnehmen, ich möchte schon gerne mal dort hin, bis jetzt habe ich es irgendwie noch nicht geschafft. Aber Deine Bilder locken jetzt wieder ...
    Ich hätte gedacht das dort jetzt irgendwas restauriert wird und dann zu anderen Zwecken genutzt werden soll. Aber wenn das so erhalten bleiben soll wäre das auch schön diese alten Bauwerke haben so viel Charme, das gibt es heute gar nicht mehr!
    Beim Stand zum Jahresprojekt habe ich auch schon geschaut - hoffentlich bekommst Du die räuberischen Schnecken in den Griff! Dein Salat sieht auf jeden Fall herrlich aus,
    liebe Grüße
    Kirsi

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  5. Wouh, danke für den schönen Bericht.
    Liebe Grüße, Marita

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  6. Hallo Elke,
    ich finde es so schade, wenn solche schönen Gebäude einfach dem Verfall überlassen werden. So schöne Architektur sollte bewahrt werden, finde ich.
    Danke für die Informationen und die interessanten Bilder.
    LG Doris sd

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  7. Hallo,
    das ist ja sehr spannend. Gehört hatte ich da schon einmal von. Danke fürs Mitnehmen.

    Liebe Grüße
    Britta

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  8. von den Kliniken hatte ich schon gehört
    und auch Bilder gesehen
    ui..
    ich glaube da auf die Bäume bekäme mich keiner :D
    aber schön dass doch etwas gegen den Verfall getan wird
    und vielleicht wird ja mal ein Hotel oder so was draus
    liebe Grüße
    Rosi

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  9. Beeindruckend, das alles.
    Auf den Wipfelpfad hätte ich verzichtet - aber die Architektur ist wunderschön
    Herzlichst
    yase

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  10. Wie toll, liebe Elke, dass ihr auch in Beelitz gewesen seid. Wir haben diesen Lost Place vor zwei Jahren entdeckt (-> https://antetanni.wordpress.com/2021/08/03/das-alte-antetanni-fotografiert-im-august-im-fokus/) und ich bin noch immer sehr fasziniert von der gesamten Anlage. Wann immer wir heute an einem alten/verfallenen Gebäude vorbeikommen, fällt das Stichwort "Beelitz" und wir erinnern uns mit großer Freude an unsere Radtour von Potsdam hin zu diesem geheimnisvollen und geschichtsträchtigen Ort. Ein lohnenswertes Ausflugsziel. ♥
    Liebe Grüße
    Anita

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  11. In meiner Stadt gibt es mit dem Lahmann Sanatoorium, für das teilweise Invenstoren gefunden werden konnten, ähnliche Gebäude. Beelitz ist da ja wirklich beeindruckend. Und man kann da einfach so auch in die Gebäude oder seid ihr heimlich geklettert? Spannend auf jeden Fall ....

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  12. Sehr interessant, danke fürs Mitnehmen.
    Ich glaube, ich hab das Schild "Beelitzer Heitstätten" schonmal gelesen.
    Unser Schloss war lange Zeit auch Lungenheilanstalt. Die SchwieMu erzählt noch von den Patienten, die Tag für Tag stundenlang auf Liegen im Freien ausharren mussten. Doch nur so gab es Chance auf Heilung von der Tuberkulose.
    LG von TAC

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  13. Danke für deinen Bericht, wir wollten da auch schon mal hin, jetzt weiß ich es lohnt sich. Wie schade, wenn solche Dinge einfach verfallen. Hätte man sie gleich besser gesichert und saniert, wären es heute wunderschöne Gebäude, mit denen sicher viele Menschen etwas "anfangen" könnten. Viele Grüße Ingrid

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  14. Liebe Elke,
    welch ein toller Ausflug! Das hätte ich auch mega spannend gefunden. Danke fürs Mitnehmen!
    LG Rike

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