Dienstag, 12. Mai 2020

Reparieren von 12 bis 12 - eine Jeanshosentasche



"Kannst Du das reparieren?" - ja, ich kann. Besonders gut natürlich, wenn der Schaden noch so klein ist wie bei dieser Hose. Die eine Gesäßtasche ist am oberen Ende rausgerissen, der Stoff darunter entzwei....


Also habe ich ein Stück Jeans untergelegt und erst mal vorsichtig von oben "festgetackert" Dazu hatte ich zuerst den Quiltfuß eingesetzt, aber das ging natürlich nicht gut, weil immer die Hosentasche im Weg war. Mit dem Standardfuß ging es auch nicht, weil immer die Hosentasche im Weg war.... Aber von sowas lasse ich mich doch nicht unterkriegen! Alle Füße ab, Quiltstichplatte eingebaut (die ohne Schlitz für Zick-zack-Nähte) und dann schön vorsichtig in alle Richtungen gestopft. So konnte ich gut auch ein Stück in die Hosentasche hinein nähen, weil kein Füßchen im Weg war. Den Stoff musste ich allerdings mit einer kleinen Schere dicht an der Nadel immer ein bisschen nach unten drücken, weil ja der Füßchendruck gefehlt hat. Aber das Experiment gilt unbedingt als gelungen und der Hoseneigner war begeistert, "wie unsichtbar" ich das geflickt hätte. Unsichtbar ist es natürlich nicht. Aber man kann die Hose so gut weiter tragen.


Mit den Kunstwerken der sichtbaren Reparaturen, die wir neulich bei Ute und den Mitstreiterinnen der Stoffspielereien bewundern konnten, hat mein Flickwerk natürlich nichts zu tun. Aber zufrieden bin ich trotzdem! Und ich weiß, dass auch unter Euch ganz beherzte Repariererinnen sind. Deshalb seid Ihr auch diesen Monat wieder eingeladen, Eure Reparaturen hier zu verlinken.
 
You are invited to the Inlinkz link party!
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Sonntag, 10. Mai 2020

Taschenspieler 5 - meine Taschenvielfalt

Na, gut. Sooooo vielfältig ist meine Taschenvielfalt nun nicht geworden. Es gäbe rein theoretisch 10 verschiedene Größen zu nähen - in zwei verschiedenen Formen. Und eine der beiden Formen habe ich ausprobiert - das flache Täschchen:


Das habe ich mit H640 verstärkt und beim Zuschnitt den späteren RV-Einschnitt ausgelassen. Ein Bordürenstoff führte zu zwei verschiedenen Seiten:



Interessant bei diesen Täschchen ist die Verarbeitung am Eingriff. Es ist gemacht wie ein unterlegter Reißverschluss. Dadurch entstehen oben an den Rändern keine knubbeligen Ecken.  Auf der anderen Seite hat man eben innen die offenen Reißverschlusskanten... Das bleibt also Geschmackssache.


Und nun? Nun ist der Taschenspieler-SewAlong 5 schon wieder vorbei! Ich war mir anfangs sehr unsicher, ob ich es schaffen würde, alle 10 Taschen zu nähen. Da kam ja sofort nach dem Start des SAL Corona in die Quere und ich arbeite - im Gegensatz zu manch' anderen Menschen - mehr als sonst. Aber es war mir ein ganz großer Trost, abends spät im Nähzimmer zu verschwinden und mit bunten Stoffen zu spielen. Kein Abstandsgebot, kein Mund-Nasen-Schutz, keine Fürsorgepflicht, kein Besuchsverbot, keine vergebliche Suche nach bezahlbarer Schutzkleidung, kein Corona.... - nur die Taschen-Aufgabe der Woche und ich. Das war soooo gut...…..
Hier sehen wir meine gesammelten Werke noch mal auf einen Blick:



Verlinkt wird bei der Farbenmix-Sammlung der Taschenvielfalt.

Mittwoch, 6. Mai 2020

Wetterquilt 2020 - der April

Dieses Jahr mussten wir im April auf Vieles verzichten - leider auch auf Regen. War der Februar noch richtig schön nass, so sah es im März schon recht dünn aus und im April war es eine Katastrophe!
wir hatte nur 8,5 Liter Regen und im ganzen April überhaupt nur 4 bewölkte Tage!
Dementsprechend sieht mein Wetterstreifen aus:


Es war mittags nicht kalt - nie unter 8 Grad - und es war nicht heiß - nie über 21 Grad. Und es war immer schön. Da geht's mir wie den Kindern mit Ausgangssperre: "mir ist so langweilig..."
Im Radio haben sie erzählt, wir hätten einen sooo warmen April gehabt wie lange nicht. Aber meiner vom letzten Jahr war auch ziemlich warm! Da gab es in der dritten Woche eine richtige Sommerphase:


Spannend ist natürlich der Vergleich der Jahre. Oben April 2016 - unten April 2020:


Zu unserem ganz großen Glück hat sich der April mit Regen verabschiedet und der Mai hat uns mit Regen begrüßt. Nun hoffe ich sehr, dass das noch ein paar Tage so bleibt!

Montag, 4. Mai 2020

Taschenspieler 5 - meine SeaShell

Owehohweh… diese Tasche fand ich von Anfang an seltsam. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass das mit der umgeschlagenen Reißverschlussdreieckspitze irgendwie praktisch sein könnte. Kann ich mir immer noch nicht vorstellen, aber inzwischen gibt es Menschen beim Farbenmix-SewAlong, die auf diese Tasche schwören. Also vielleicht irre ich mich. Und der Vollständigkeit halber habe ich sie nun auch genäht - wäre ja gelacht, wenn ich nur deswegen den SewAlong sausen lasse!


Es war schon ziemlich spät und stockfinster, als ich endlich fertig war und Fotos machen konnte. Morgen wird das Verlinktool geschlossen - ich musste mich sputen!
Mir tat bei der Stoffauswahl für diese Tasche schon mal der Stoff leid. 2 riesige Dreiecke - obwohl ich wieder nur 90% genäht habe. Aus dem Fundus kullerte ein lose gewebter Gobelin-Möbelstoff. Der lungert schon jahrelang herum, völlig planlos, der war jetzt fällig. Ich musste ihn verstärken, damit er sich nicht gar so sehr verzieht. Beim Quilten habe ich die Stelle für den Tascheneingriff ausgelassen und dann hinten das Vlies weggeschnitten, so wurde es nicht so dick um den Reißverschluss


Als Vlies habe ich ein dünnes no-name Taschenvlies verwendet und schön sparsam die beiden halben Dreiecke, die beim Zuscheiden entstehen, wieder zusammen getackert. Da war ich schon mal ein bisschen versöhnt...
Gequiltet ist wild nach dem Rosenmuster:


Auf der Rückseite ist eine unterlegte Reißverschlusstasche vorgesehen, das macht Sinn:


Die Reißverschlüsse an den langen Kanten ließen sich erstaunlich gut einnähen, obwohl die Nähweise dieser Tasche schon gewaltig von der üblichen Taschennäherei abweicht. Hut ab vor der Erfinderin!!! ;-)
Statt der vorgesehenen Lasche an der Spitze habe ich einen Ring eingenäht.


Ich denke, das fasst sich schön an, wenn man die Dreieckspitze zum Öffnen der Tasche hochhebt.



Der Anblick der Tasche von innen macht mich glücklich! So ein schönes Frühlingsgrün! Innentaschen gibt es nicht, weil man ja die Seiten fast bis zum Boden öffnen kann. Diese Tasche ist einfach ein "Sack"... ;-)


Genäht hatte ich den Korpus ziemlich schnell, aber dann kam das Problem mit den Henkeln... Im Fundus hatte ich auch schon ewig ein paar sandfarbene Kunstlederhenkel. Auf dem Außenstoff hatte ich mir - wie in der Anleitung empfohlen - mit Klebeband die Ansatzstelle markiert. Das kam mir schon beim Zuschneiden sehr weit unten vor. Noch mal kontrolliert - das Klebeband klebt an der richtigen Stelle.


Aber so geht das gar nicht. Meine Henkel sind auch einfach zu kurz!


Da war guter Rat teuer. Zum Glück war von dem sandfarbenen Gurtband, mit dem ich den Ring fixiert hatte, ausreichend da. Gerade noch mal gut gegangen? .... Neee, das gefiel mir auch nicht wirklich.... zu dominant, irgendwie


Also habe ich das 3cm breite Gurtband halbiert und mal probiert:


So gefiel mir das schon viel besser. Also habe ich das Gurtband ganz knapp zusammen gesteppt, schon vorher hatte ich einen stabilen Faden eingelegt, mit Hilfe dessen ich dann eine Kordel aus dem Fundus einziehen konnte.


Mit dem Ergebnis bin ich mehr zufrieden als ich im Vorfeld befürchtet hatte. Aber meine Tasche wird das bestimmt nicht! und trotzdem denke ich, dass sie eine Liebhaberin finden wird - bei dieser extravaganten Form! ;-)
Verlinkt wird nun auf den letzten Pfiff bei der Sammlung der SeaShell-Muscheltaschen.

Gewicht: 302 Gramm
Außenstoff: Gobelin-Möbelstoff von Alfatex aus dem Fundus
Vlies: dünnes Taschenvlies
Futter: Buttinette aus dem Fundus

Nun folgt nur noch Woche 10 und dann ist der Taschenspieler-SewAlong schon wieder vorbei. Ich werde dieses Jahr alle Taschen schaffen, denn Woche 10 ist ein Klacks! Yippieh!

Freitag, 1. Mai 2020

Mund-Nasen-Maske - der Favorit

Nun habe ich ja schon viele Schnitte ausprobiert und selbst rumgedoktert, viele Feedbacks bekommen und Für und Wider abgewogen.
Dreilagigkeit scheint kein Wunschthema zu sein, die Einschubmöglichkeit für eine weitere Filterlage ebenfalls nicht. Und um nicht zu ersticken reichen 2 Lagen vollkommen aus... ;-)
Wichtig dagegen sind der entnehmbare Nasendraht und die Möglichkeit, die Maske links und rechts mit dem Gummi ein bisschen zu "raffen", dann schmiegt sie sich besser ans Gesicht.
Rein zufällig bin ich noch auf eine einfachere Lösung für einen Tunnel für den Nasendraht gekommen. Jetzt mache ich es so:
Zuschnitt 2 Stoffstücke 19*19cm
Eine Seite zusammen nähen und ca. 2 cm vom Rand entfernt eine Öffnung von 2 cm lassen (hier markiert durch die Schere)


Naht auseinander bügeln und die Öffnung vom Rand ausgehend mit einer Naht stabilisieren


Die untere Kante schließen und die Naht ebenfalls auseinander bügeln


Wenden. Bügeln. Nähfüßchenbreit am oberen Rand den Tunnel für den Nasenbügel absteppen. (diesen Schritt hatte ich vergessen zu fotografieren, deshalb hier nur an der fertigen Maske zu sehen)


Die Faltung einbügeln. Dazu bügle ich erst zur Hälfte,


dann jeweils von den Seiten zur Mitte hin.


Die nächste Faltenlegung lässt sich schlecht beschreiben. Ich fasse die Falte mit den Fingern und klappe sie nach unten, es entsteht ein etwa gleichmäßiges Faltenbild und am Rand eine Breite der Maske von 9 cm.


Stecken und abzackeln


Nun bereite ich den Tunnel für den seitlichen Gummizug vor. Zuschnitt 10,5 cm. Beide Seiten umschlagen und absteppen = 9 cm. Wenn ich mehrere Masken nähe, macht es sich gut, gleich einen längeren Streifen zu nähen, von dem ich dann jeweils 4 cm abschneide.


Von hinten nähe ich den Seitenstreifen an, klappe ihn nach vorn um und schlage ihn ein. Knappkantig absteppen - fast fertig!


Den Gummi schneide ich unterschiedlich lang (23-25 cm) für verschiedene Kopfgrößen. Zum Einziehen eignet sich aus meinem Instrumentenfundus am besten die Klemmnadel für Flechtpapier. Das geht ruckzuck.


Mit der Maschine kurz die Gummienden zusammennähen (wer will schon diese dicken Knoten?)


Nahtstelle am Gummi in den Tunnel ziehen und Nasendraht einschieben - wirklich fertig!


Davon habe ich nun schon viele, viele genäht....


Und weil sie so schöne Sterne hat, darf die Sternenmaske nun auch noch zu Maika's Märchenstunde. Denn da sammeln sich jetzt die Werke zum Märchen "Sterntaler". Man kann zwar nun trefflich streiten, ob das arme Mädchen die Sterne in seinem "Maulkörbchen" sammelt oder ob sie die Sterne im unteren Rand ihres "Schnutenpullis" einsammeln kann - egal: es regnet Sterne!

Und das war der April

Das ist die Drossel, die da schlägt,
der Frühling, der mein Herz bewegt.
Ich fühle, die sich hold bezeigen,
die Geister aus der Erde steigen.
Das Leben fliesset wie ein Traum -
mir ist wie Blume, Blatt und Baum.
 Theodor Storm


Wenn der Frühling nicht gewesen wäre... wer weiß, wie mir der Virus auf's Gemüt geschlagen hätte! Der Frühling war's, der mich getröstet hat, der mir Mut gemacht hat und der mir immer wieder ein Lächeln in's Gesicht zaubert!


Im April...
...war vom ersten Tag an alles anders: neue Vokabeln mussten wir lernen und unser Leben wurde eingeschränkt. Kontaktverbot. Maskenpflicht. Reproduktionszahl. Behelfsmaske. Seltsame Worte...
...tat unserer Familie das alles anfangs nicht so doll weh - ein paar Tage Urlaub, den wir in unserem Garten verbracht haben, ließ Zeit für das Wachsen und Werden, und der Blick ließ sich leicht von den Erkrankungszahlen weltweit auf die immer zufrieden stimmenden Gartenarbeiten im Frühling lenken


...waren in unserer Urlaubswoche die Tage und Abende so warm, dass wir die gemeinsame Zeit recht genießen konnten


... blühte der kleine Pfirsichbaum über und über und nun sind wir gespannt, ob es dieses Jahr Pfirsiche geben wird


Und bis dahin essen wir eben, was sonst so wächst. Im April gab es wunderbare Smoothies aus dem frischen Grün, das im Garten sprießt, diversem Obst und eingefrorenen Rote Beete.


Irre Mischung? Aber o-ber-le-cker!!!


... fand mein Leben ansonsten gefühlt nur zwischen Arbeit und Zuhause statt, oft nur zwischen Arbeit und Bett. Zu müde für irgendwelche Aktivitäten...dann habe ich es manchmal nur geschafft, noch ein paar unscheinbar blaue Teilchen zusammen zu lieseln (soll keiner sagen, ich hätte nix an meinen UFOs gemacht ;-)


... habe ich mich nach den anstrengenden Tagen abends mit den Taschen der Farbenmix-Taschenspieler-CD getröstet. Jede Wochen-Tasche vom April wurde geschafft! Und die bunten Stoffe sind für mich wahrhaft tröstlich....


... haben wir eine schöne Wanderung in die Gipskarsthänge im Wipperdurchbruch gemacht und nach den Orchideen gesucht. Die brauchen noch ein paar Tage bis sie in voller Schönheit blühen


... habe ich immerzu Masken genäht - immer auf der Suche nach dem günstigsten Schnitt. Ja, klar - die ersetzen keine FFP2-Maske. Müssen sie auch nicht.


... habe ich mich sehr gefreut, dass die vom großen Sohn im letzten Jahr aus Tunesien eingeschmuggelten Hibiskus-Senker beide blühen


... standen auch meine Amaryllen in herrlicher Blütenpracht!


Und wenn man das so betrachtet, dann war der April ein schöner Monat! Wirklich!
Es ist eine Lernaufgabe, die uns im Moment allen gestellt ist. Das Schöne aus den Tagen zu picken und mit Geduld allen Unbill zu ertragen... Das wünsche ich uns allen sehr, dass uns das gelingen möge!