Samstag, 26. Januar 2013

Ein wahrer Genuß...

Vor vielen Monaten hat Renate ein Hörbuch angeboten, ein ganz besonderes Hörbuch
a) weil es auf Kassetten ist und man seine alte Technik reaktivieren muss und
b) weil es die Biografie einer ganz besonderen Frau in ein Licht rückt, in dem man sie bisher nicht sah. Das Hörbuch ist als Rundsendung unterwegs und hatte nun Station bei mir gemacht. Darüber habe ich mich sehr gefreut.
Christiane Vulpius, die Wegbegleiterin und spätere Ehefrau von Goethe, steht üblicherweise immer im Schatten des berühmten Mannes. In dieser gelesenen Biografie tritt sie aus seinem Schatten heraus und bekam für mich ein ganz eigenes Gesicht. Sigrid Damm, die Autorin, hat sehr detailliert recherchiert, man hört Christiane in ihren Briefen an Goethe und an Freunde der Familie, man hört Goethe in Briefen an Christiane und man kann hören, wie die Weimeraner über Christiane dachten und sprachen. Man hört die Abfälligkeit in den Worten von Frau von Stein und von Schillers Ehefrau Charlotte. Es entsteht beim Zuhören ein Zeitbild vor, während und nach dem Napoleonischen Krieg, von dem Weimar nicht verschont blieb.
18 Jahre lang haben Goethe und Christiane Vulpius unverheiratet unter einem Dach gelebt. Goethe hatte Christiane als seine Geliebte in sein Haus geholt. Dass er sie nicht geheiratet hat, hat sie wie so vieles Andere in ihrer gemeinsamen Beziehung mit einer erstaunlichen inneren Gelassenheit ausgehalten. Sie war "niederen" Standes, arbeitete zum Zeitpunkt als sie Goethe kennenlernte, für ihren Lebensunterhalt als Putzmacherin in einer Weimarer Manufaktur und die gesellschaftliche Anerkennung als Wegbegleiterin Goethes blieb ihr eigentlich zeitlebens versperrt. Die Weimeraner empörten sich sehr darüber, dass Goethe eine langjährige Beziehung unter seinem Stand einging. Eine kurzzeitige Liebschaft hätte man eher verziehen.
Die Beziehung zwischen den beiden war über die vielen Jahre wechselhaft, in Christianes Briefen hört man zeitweise ein Siezen und dann wieder ein ganz vertrautes Duzen und Liebkosen. Christiane bekam mit Goethe 1789 einen Sohn. In den Jahren darauf folgten - vermutlich wegen einer Rhesusfaktorunverträglichkeit - immer wieder Totgeburten, was beide sehr betrübte.
Immer hat Christiane auch ihr eigenes Leben geführt. Goethe war viel auf Reisen und wenn er in Weimar war, arbeitete er allein in seinen Räumen. Christiane vertrieb sich die Zeit mit Theaterbesuchen und gemeinsamem Kartenspiel mit Freunden.
1806 - mitten im Napoleonischen Krieg - heiratet Goethe plötzlich seine Christiane. Der 16jährige Sohn August ist dabei. Ist Goethe die eigene Vergänglichkeit vor Augen geführt worden? Ist es seine Sorge um die finanzielle Absicherung seiner Familie? Man weiß es nicht genau. Aber für Christiane ändert sich damit nicht so viel. Zwar trägt sie hinfort den Namen Goethe's, aber die Abneigung der Weimeraner bleibt ihr erhalten.
Christiane war keine gebildetete Frau, sie konnte zwar lesen und schreiben und besuchte ganz regelmäßig das Theater, ihre Stärke lag aber in anderen Gebieten. Sie war unheimlich praktisch, führte den Haushalt mit eisernem Regime und Goethe nannte sie "mein Hausschatz" und "mein Küchenschatz". In seinen Briefen, die er ihr fast täglich schrieb, wenn er nicht in Weimar war, klingt eine fortwährende Liebe und Achtung mit. Das Gedicht "Ich ging im Walde so für mich hin..." ist für Christiane geschrieben. Man weiß, dass Goethe sein Leben lang jungen Frauen schöne Augen gemacht hat, aber vermutlich war es Christianes Langmut, ihre innere Gelassenheit, ihre Geduld, die ihn immer wieder hat zu ihr zurückkehren lassen. Sie hat ihm keine Vorwürfe gemacht.

Es war rundum ein hochinteressantes Hörbuch. Allein die Sprache der damaligen Zeit! Ein wahrer Genuß.
"Und wenn du vergnügt bist, das ist mir das Liebste von Allem."


Ich war auch vergnügt... Und nun macht sich das Hörbuch wieder auf die Reise.

Kommentare:

  1. Sowas interessiert mich auch. Leider komm ich mit Hörbüchern nicht klar, funktionieren bei mir nur im Urlaub am Strand mit geschlossenen Augen. Ansonsten schweifen meine Gedanken immer ab. Und man kann nicht wie bei einem Buch mal eben eine Seite zurückblättern.
    Den Film "Goethe" fand ich auch gut!

    Die Sache mit dem Wander-Hörbuch ist klasse. Meine Tochter nutzt das auch viel (mit normalen Büchern) und tauscht auch Bücher übers Internet.

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  2. Das ist klasse, danke für all die Info.

    Goethe war ja ein frankfurter Bub und ich komme aus Offenbach, die beiden Städte liegen direkt aneinander. Es gibt ein Tradionsgericht Frankfurts, es heißt "Grüne Soße" und es heißt, daß Goethes Mutter sie "erfunden" habe.
    In Offenbach gibt es einen kleinen Park, direkt am Main gelegen und in ihm ist ein kleiner Pavillion. Die Legende besagt, daß Goethe dort eine heimliche Geliebte traf, deren Spitzname Lilly war und der Park heißt Lillypark.

    Nana

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