Samstag, 22. Dezember 2012

Sehr nachdenklich...

Uns begegnen in der Adventszeit ja vielerorts Sprüche und Gedichte. Zudem war ich regelmäßig Leserin bei Nana im Adventskalender, wo viele verschiedene Menschen von ihren Erinnerungen an Weihnachten berichtet haben. Diese Geschichten und ein Gedicht, das mir begegnet ist, haben mich dieses Jahr besonders berührt, weil sie mir so schmerzhaft deutlich vor Augen geführt haben, wie uns unsere Traditionen verlassen, der Advent und Weihnachten zu einem "Hohlkörper" werden.
Und deshalb werden meine Große und ich dieses Jahr endlich mal wieder die Blockflöten rauskramen und am Heilig Abend damit in's Pflegeheim gehen. Das haben wir gemeinsam schon ein paar Jahre nicht mehr gemacht. Sie kommt schon Sonntag, es bleibt also dieses Jahr Zeit zum "Einstimmen". Und es ist wie Radfahren, das verlernt man nicht.





Und hier für Euch zum Nachdenken in den 4. Advent:


Draußen schneit's, es ist so weit,
begonnen hat die Weihnachtszeit.
Der Opa holt vom Abstellraum
den Weihnachtsschmuck und schmückt den Baum.
Sein Enkel hilft, so gut er kann
und freut sich auf den Weihnachtsmann.
Zum Schluss die Lämpchen dran noch schnell,
den Stecker rein, schon strahlt es hell.

Da wird der Opa nachdenklich.
Wie war das früher eigentlich?
Die Kerzen waren da noch echt,
aus Wachs mit Docht, das war nicht schlecht.
Der Enkel aber glaubt es kaum:
"Echte Kerzen an dem Baum???"

Die Zeit jedoch bleibt niemals steh' n
und fünfzig weit're Jahr' vergeh'n.
Der Enkel - längst erwachsen schon -
hat heute selbst 'nen Enkelsohn.

Und wieder schneit's zur Weihnachtszeit.
Ja wieder mal ist es so weit.
Der Opa holt vom Abstellraum
wie jedes Jahr den Plastikbaum.
Sein Enkel hilft so gut er kann
und freut sich auf den Weihnachtsmann.
Der Christbaumschmuck wird angebracht.
Schon strahlt der Plastikbaum voll Pracht.

Da wird der Opa nachdenklich.
Wie war das früher eigentlich?
Da war der Weihnachtsbaum noch echt,
frisch aus dem Wald, das war nicht schlecht.
Der Enkel aber glaubt es kaum:
"Im Wohnzimmer 'nen echten Baum???"

Die Zeit bleibt doch auch jetzt nicht steh'n
und nochmal fünfzig Jahr' vergeh'n.
Der Enkel - längst erwachsen schon -
hat wiederum 'nen Enkelsohn.

Und schneit's auch draußen noch so sehr,
das Weihnachtsfest, das gibt's nicht mehr.
Man holt nichts mehr vom Abstellraum
und hat auch keinen Weihnachtsbaum.
Der Enkel denkt auch nicht daran,
hat nie gehört vom Weihnachtsmann.
Auch vieles andre gibt's nicht mehr.
Die ganze Welt wirkt ziemlich leer.

Da wird der Opa nachdenklich.
Wie war das früher eigentlich?
Da feierte man wirklich echt
ein Fest mit Baum, das war nicht schlecht.
Der Enkel aber glaubt es kaum
und fragt erstaunt: "Was ist ein Baum???"

(Quelle: http://www.weihnachtstraumland.de/gedichte.html)

Kommentare:

  1. Liebe Valomea,

    zuerst einmal: ich finde es großartig, dass ihr die Flöten auspackt und den Menschen im Pflegeheim ein paar schöne Augenblicke schenkt mit handemachter Musik und traditionellen Liedern! Großen Respekt und Hut ab!

    Das Gedicht ist wirklich zum Nachdenken - ist es wirklich so schlimm? Mein Weihnachten als Kind war nie wirklich schön, ich habe an der Grenze zum Erwachsenwerden versucht, davon loszukommen, Abstand zu nehmen, nicht, weil ich die Traditionen nicht schätze, sondern weil unsere Weihnachten für mich keine positiven waren. Mehr mag ich dazu auch nicht sagen. Aber ich beobachte bei meinen Nichten und Neffen, dass sie es wohl sehr schätzen, wenn die echten Kerzen am Baum brennen statt einer Lichterkette, dass sie gern im Kreis der Familie feiern, selbst, wenn sie einen extralangen Wunschzettel schreiben, der Dinge auflistet, die ich noch nicht einmal kenne. Und auch ich habe meinen Frieden gefunden und verbringe den 24. nicht mehr vergrämt alleine, sondern wohl gewählt und freiwillig mit mir selbst, um Rückschau auf das Jahr zu halten. Der 25. ist Familientag, da wird es laut, lustig und bunt. Und es ist kein Bedauern mehr dabei, dass es bei uns damals nicht so war. Ich glaube, dass die "Kinder", die vielleicht eine Zeit lang Abstand halten und die Traditionen "verspotten", verschmähen, weil es so "altbacken" ist, doch irgendwann den Weg zurück finden und ebenso gern ein paar traditionelle Rituale aufrecht erhalten, wir wir es tun.

    Sei ganz lieb gegrüßt und hab Dank für deine Worte da oben
    daisy

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  2. Euren Blockflötenauftritt im Pflegeheim finde ich auch bewundernswert. Anderen und dabei sogar fremden Menschen eine Freude zu machen, entspricht bestimmt mehr dem Sinn der Weihnacht als alles andere.

    Das Gedicht finde ich wirklich erschreckend und hoffe, dass das Ende nicht eintrifft.
    Den Heiligabend mit seinen festen Ritualen - bei uns sind das gemeinsamer Spaziergang, Bescherung für die Kinder und anschließend stundenlanges Fondueessen mit Klönen - möchte ich nicht missen.

    Dir/euch einen schönen 4. Advent und ein hoffentlich wunderschönes Weihnachtsfest!
    Arctopholos

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  3. Hab vielen Dank für Deine Worte und das ich ein Gedicht fand, daß Dich dazu bewegte, mit Deiner Tochter ins Pflegeheim zu gehen und dort zu spielen. Wie viel Freude Ihr diesen Menschen dort bringen werdet, wunderbar.

    Einen schönen Advent,

    Nana

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  4. Vielen Dank für dieses nachdenkliche Gedicht. Meine Blockflöte hab ich auch noch...warum hab ich die wohl aufgehoben? Es stimmt, man verlernt es nie und vielleicht hole ich sie auch noch hervor...aber nur im kleinen Kreis.
    L.G.
    sigisart

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  5. Da verdient Ihr echt Respekt! Ich wünsch Euch und dem Publikum viel Spaß!
    Das Gedicht gibt einem wirklich zu denken. Aber wir geben uns Mühe, es nicht so weit kommen zu lassen.
    Ein frohes Fest im Kreis Deiner Lieben!
    Judy

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