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Dienstag, 31. Dezember 2024

Und das war mein Dezember 2024

 
Ist es grün zur Weihnachtszeit
fällt der Schnee auf die Ostereier.
 
Ich guck' ja immer nach den alten Bauernregeln, aber zum Glück muss ich die nicht alle glauben! *lach*

Im Dezember...
.... hatten wir durchweg lauwarmes und graues Wetter. Neidisch habe ich auf Fotos in anderen Blogs geschaut, auf denen eine Landschaft im Schnee zu sehen war.
 

... kamen trotzdem immer hungrige Vögel an unsere Futterplätze und, seitdem ich den Sonnenblumenkernen wieder Nüsse beifüge, kamen auch die Eichelhäher. 
 

... starteten wir in den Advent mit einem wunderbaren Gospelkonzert unseres Projektchores. Ich war sehr froh, dass ich mich kurzfristig Anfang November doch noch entschlossen hatte, das Projekt mitzusingen. Die Kirche war bis auf den letzten Platz besetzt und es war ein wunderbares Zeichen der beginnenden Adventszeit.
...habe ich noch einmal aus eingefrorenem Quittensaft Gelee gekocht
 

... habe ich auch die letzten Kürbisse verbraten
 

... hatten wir einen fröhlichen und ereignisreichen Adventsmarkt des Fördervereins in unserem Pflegeheim. Allen hat es Spaß gemacht, die Bewohner konnten mal wieder Weihnachtsmarktatmosphäre erleben - die meisten können das Haus nicht mehr für Ausflüge verlassen - und der Erlös war so, dass der Förderverein nächstes Jahr mindestens eine schöne Veranstaltung finanzieren kann.
 

... habe ich noch viele Abende bei den Proben, der Generalprobe und zwei Aufführungen des Weihnachtsoratoriums von J.S.Bach verbracht. So manches Mal in der Adventszeit habe ich ja den Eindruck, ich könne die vielen zusätzlichen Termine nicht bewältigen, aber die Aufführung ist jedes Mal jede Mühe wert!
... hatten wir wegen eines wichtigen Termins einen Ausflug nach Sachsen-Anhalt und haben auf der Rückseite kurz Halt in Quedlinburg gemacht. Dort ist immer ein sehr schöner Weihnachtsmarkt, aber es war am Vormittag, da ist die Stimmung noch nicht so festlich wie abends, wenn alle Lichter leuchten. Sie veranstalten dort jedes Jahr "Advent in den Höfen"


Und das war mein einziger Weihnachtsmarkt in diesem Jahr. Aber wir haben schöne Dinge gesehen! Ich mag die Verarbeitung von Buchseiten mit der alten Schrift. Allerdings habe ich selbst nicht so ein gutes Händchen dafür....
 

Einen Adventsbaum wie er vor Hunderten von Jahren in unserer Gegend gebastelt wurde. Kennt das noch jemand von Euch?


... hat mir eine schreckliche Erkältung kurz vor Weihnachten das Leben schwer gemacht. Aber da muss man durch....
... hatten wir dieses Jahr zu Weihnachten mal eine neue "Konstellation" Familie unter dem Weihnachtsbaum. 
 

Unsere beiden Mädchen waren nicht da, aber unsere beiden Jungs. Der Große, 41 Jahre alte, und der Junior, kurz vor seinem 20. Geburtstag. Inzwischen hat sich der Altersunterschied verwachsen und es war eine Freude, die beiden miteinander zu erleben.
... stand neben dem Weihnachtsbaum ein langes schmales Geschenk, das keiner getraut hat, auszuwählen bei unserer Bescherung. Als allerletztes wurde es ausgewickelt und zum Vorschein kam ein niederländisches sjoelbak, ein Shuffleboard. Kennt das jemand? Wir hatten das Spiel vor einer Weile mal bei Freunden gespielt und als sehr schön erlebt. Und Herr B. hat gleich zu Weihnachten eine Idee in die Tat umgesetzt. Ab da wurde sjoelen gespielt was das Zeug hielt!


... haben wir den alljährlichen Neujahrsausflug zum lost place in der Nähe, der schon Tradition hat, kurzerhand vorverlegt damit beide Jungs dabei sein konnten. Das alte Jagdschloss verfällt zunehmend, von der Zwiebelkuppel, die noch vor fünf Jahren leidlich intakt war, ist nur noch Bruch zu sehen. Schade, aber der Zahn der Zeit nagt. Hier wird nichts "gerettet"....
 

... haben wir dann alle gemeinsam ein paar Tage bei der kleinen Familie verbracht und mit den Enkeln noch ein bisschen Weihnachtsfreude erlebt. Wir haben die Playmobil-Ausstellung im Kloster Eberbach besucht. Es waren große Landschaften aufgebaut mit ganz vielen Details zum Schauen. Da war für jeden etwas dabei! Die Enkeltochter mochte besonders die vielfältigen Wagen und Stände mit Lebensmitteln aus aller Herren Länder


Mir hat zum Beispiel sehr gut die aufgebaute Wüstenlandschaft gefallen. Schaut mal wie die Karawane zieht
 

... wird das Jahr mit einer sicher fröhlichen, aber unspektakulären und eher leisen Silvesterfeier zu Ende gehen...

Das neue Jahr startet noch mal mit einem richtig harten Arbeitsmonat. Ich muss im Büro "entrümpeln", eine neue Mitarbeiterin anlernen und die Geschäfte übergeben. Die Liste der zu erledigenden Dinge ist lang! Hier wird es deshalb vermutlich etwas ruhiger werden im Blog. Aber macht Euch keine Sorgen! Es wird alles gut sein.

Montag, 24. Juni 2024

Urlaubsimpressionen (6) - Schmiedebach mit Oertelsbruch, der KZ-Gedenkstätte Laura und dem Verlorenen Dorf

Weiter geht's noch ein Stück durch das Thüringer Schiefergebirge!
An der Hohenwartetalsperre war das Wetter eher kühl und trübe und das - gemeinsam mit der Erzählung eines nächtlichen Anglers, dass es hier 2,50m lange Welse gäbe - lockte mich dann doch nicht zum Baden...
 
 
Nach unserer Übernachtung an der Hohenwartetalsperre sind wir noch mal ein paar Kilometer zurück gefahren in das Schiefergebirge. Wir wollten mal nach dem zweiten großen Schieferbruch sehen, der befand sich in Schmiedebach. Aktuell wird hier immer noch gearbeitet, eine Nachfolgefirma arbeitet das Haldenmaterial auf zu Straßenbaumaterial. Das fanden wir während der Führung am Vortag tatsächlich sehr interessant: beim Schieferabbau entsteht von vorn herein 90% Abraum, nur 10% ist zu gebrauchen und beim Zerlegen in Platten bleibt am Ende nur 6% übrig. Der riesige Rest wurde früher einfach auf Halden gekippt. Jetzt gibt es offenbar neue Technologien, die eine Nutzung des Abraums möglich machen.
Am Rand des Oertelsbruchs in Schmiedebach befindet sich die KZ-Gedenkstätte Laura, eine Außenstelle des KZ Buchenwald. Denn, wie an anderen Orten auch, wurde hier das Bergwerk genutzt für unterirdische Kriegsmaschinerie. Vor ein paar Jahren haben wir mal die KZ-Gedenkstätte Mittelbau Dora in Nordhausen besucht, dort wurden im Bergbau im 2. Weltkrieg V2-Raketensprengköpfe produziert. Hier im Thüringer Wald im Oertelsbruch wurden diese dann unterirdisch getestet. So schließen sich manchmal Informationskreise.... Der Oertelsbruch ist nach dem Unternehmer Oertel benannt, der im Umfeld alle lukrativen Schieferbrüche aufgekauft hatte. Aber der war wohl nicht nur Kapitalist, sondern auf der anderen Seite auch sozial eingestellt: er hat für seine Mitarbeiter in der Nähe der Brüche Häuser bauen lassen, eine Schule, sogar ein Krankenhaus, dazu natürlich Werkstätten und sogar eine Landwirtschaft. 
 

In einer seiner großen Scheunen waren damals die Häftlinge untergebracht, die dort unter unmenschlichen Bedingungen hausen mussten und die schwere Arbeit im Bergwerk war nicht besser. 
 

Die Gedenkstätte hat mich persönlich sehr beeindruckt. Sie lässt auf großen Tafeln verschiedene ehemalige Häftlinge von ihren Erlebnissen berichten. O-Ton. So treten einzelne Schicksale aus der Masse der Geschichtszahlen heraus. Und so kam es, dass wir völlig ungeplant dort gleich mehrere Stunden zugebracht haben... 
Die Mitarbeiterin, die die Ausstellung betreut, hat sich mit uns unterhalten und viel von der Gegend erzählt. Und da war es schon greifbar - unser nächstes Ziel! Wir hatten nämlich gelesen, dass dort irgendwo in der Nähe ein verlorenes Dorf sein soll, ein lost place, mit vielen Gebäuden. Im Gespräch mit der Museumsmitarbeiterin wurde klar, dass es sich um die Häuser der ehemaligen Bergarbeitersiedlung um den Oertelsbruch handelt. Sie erzählte uns, dass sie selbst bis in die 90er Jahre dort gelebt hat und in welcher Richtung das Dorf im Wald liegt. Also machten wir uns auf und trafen bald auf die ersten Häuser.
Schieferverkleidet, logisch.
 

Verstreut im Wald ganz viele verschiedene Gebäude, Wohnhäuser, Ställe, Werkstätten, die Oertel-Villa, die "weiße Villa". Alle sind dem Verfall preisgegeben. Wir treffen einen jungen Mann, der uns erzählt, dass in diesem Haus bis in die 90er Jahre das Lehrlingswohnheim der Schieferdachdecker untergebracht war:
 

Nun ist es wohl nicht zu retten. 


Ganz in der Nähe tatsächlich die "weiße Villa" der Familie Oertel. 
 

Hier hauste im 2. Weltkrieg die Wehrmacht, das gesamte Gelände mit allen Schachtanlagen war von dem Unternehmer Oertel gepachtet worden. Nach dem Krieg wurde er enteignet und nun holt der Wald sich allmählich das Oertelrefugium zurück und es wächst Gras über die Hinterlassenschaften der früheren Bewohner...


Beeindruckend waren auch die Werkstattgebäude. 
 

Mit wieviel Geschmack und Sinn für Schönheit damals noch selbst eine Werkstatt gebaut wurde!


Wir laufen weiter am Rand des Oertelsbruchs entlang und finden noch verschiedene Tunnelschächte, die ins Nirgendwo führen - nichts für uns: dafür sind wir nicht ausgerüstet! Es ist verboten und gefährlich, in den früheren Bergwerksanlagen herumzukriechen.
 

Weit unter uns liegt die Tagebaugrube mit einem kleinen Schiefersee
 

aber so richtig gesund sieht das da unten nicht aus!


Und wieder Häuser im Wald...
 

Bei manchen sieht es so aus, als seien die Bewohner noch nicht lange weg.
 

Alles ist frei zugänglich, nur ein bisschen rote Farbe weist auf die Gefahren hin.
 

Es war eine Mischung aus Neugier und Melancholie, die uns durch diesen Wald geführt hat. Es war sicher nicht leicht für die "Brücher" - wie sie sich selbst nannten - ihre Heimat zu verlassen. Aber der Oertelbruch war nicht mehr und die Siedlung verlor ihre Daseinsberechtigung dort mitten im Wald...
Vermutlich haben wir bei Weitem nicht alle Gebäude gefunden, das Krankenhaus zum Beispiel nicht. Aber wir wollten weiter am Tagebaurand entlang, kamen an der Motorcrossstrecke vorbei und haben noch eine Weile den wagemutigen jungen Menschen zugeschaut
 

Und dann haben wir das Thüringer Schiefergebirge wieder hinter uns gelassen. Aber wenn Ihr glaubt, das wäre nun genug für zwei Wochen Urlaub gewesen, so irrt Ihr euch. Ich werde Euch noch mehr Schönes und/oder Spannendes zeigen, aber ich muss erst mal wieder Fotos sortieren...


Montag, 13. Juni 2022

Ein Stopp an einem ganz besonderen Ort

Wir haben die heimische Scholle verlassen. Das fällt mir immer nicht ganz so leicht. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die ständig in Urlaub müssen. Der Corona-Reisestopp in den letzten Jahren hat mir persönlich nicht so viel ausgemacht. Ich fand "Urlaub im Garten" auch eine sehr schöne Alternative! ;-)
Aber ab und an bekommen wir Sehnsucht nach dem Meer. Und dann müssen wir los. Dieses Mal haben wir einen Stopp in den Beelitzer Heilstätten gemacht. Manch' eine kennt das vielleicht von Euch. Vom Namen her, vom Schild an der Autobahn A9 an der Abfahrt "Beelitzer Heilstätten" oder vom Ruf der Medizinischen Einrichtung als Lungenfachklinik/Neurologische Fachklinik.... Aber wir waren jetzt endlich mal dort, um den "lost place" zu besichtigen. Richtig "lost" ist das Arreal ja nicht mehr, vor ein paar Jahren hat ein Unternehmer den Wald gekauft und war dann doch sehr überrascht, was für Gebäude dort mitten im Wald verrotten! Kommt, ich nehme Euch mal mit. Die Klinik wurde zur Jahrhundertwende vor 120 Jahren errichtet. Inzwischen sind alle Bäume, die die Gebäude zuwuchterten, entfernt und man hat einen guten Blick auf die Gemäuer.
 

Man sieht am Stil der Gebäude sehr gut, dass damals noch "schön" gebaut wurde. Rings um alle Gebäude stehen fest installierte Bauzäune, so dass die Besucher sich nicht in die Ruinen verirren. Aber wenn man die Zäune ein bisschen ignoriert, kann man sich an der Architektur wirklich erfreuen!


Das ist das Obergeschoss der zentralen Küche.


Gebaut wurde der Klinikkomplex damals mit richtig viel Geld der Landesversicherungsanstalt. Es hatte die ersten Sozialgesetze gegeben und die Rentenkasseneinnahmen erbrachten einen krassen Überschuss, weil viele Menschen ihre Rente nicht erreichten, sondern eher starben. Schuld daran war in diesen Jahren auch die Tuberkulose, die bei den schlechten Lebensbedingungen der Arbeiterklasse in Berlin wütete. Dem sollte nun entgegen gewirkt werden. Die LVA hat eine Therapie in Beelitz auch für die Armen der Arbeiterklasse bezahlt, wenn sie in einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis standen. Damit war Berlin Weltklasse! Und die ganze Klinik arbeitete nach Spitzenmaßstäben. Die Hygienemaßnahmen waren hochmodern, es gab viel und gut zu essen - eins der Therapieziele. Das führte übrigens dazu, dass bei den Besuchstagen viele Lebensmittel aus der Klinik geschmuggelt wurden, denn zu Hause gab es eben nicht viel und gut zu essen...
Ein hochmodernes Krankenhaus entstand. Streng getrennt nach Männern und Frauen. Das ist z.B. der Frauenpavillion


Es gehörten immer Liegekuren mit zur Behandlung. Viele Stunden am Tag Liegen an der frischen Luft. Die Liegehallen haben kaum überlebt. Hier guckt man von oben auf ein ausgebranntes Bauwerk, wo die Hitze die Metallstreben völlig verbogen hat. Krass, oder?


Die Steinmauern dienen nur dazu, dass das Bauwerk nicht umfällt. Ursprünglich war die Liegehalle ein Holzgebäude, auf einer Seite offen. Später konnten wir dann noch eine gut erhaltene sehen:


Beeindruckend wird das Gelände durch den Baumkronenpfad, der den Besuchern ermöglicht, von oben auf die Anlagen zu schauen. Erst mal muss man natürlich hoch.


Und dann läuft man hoch in den Bäumen und sieht verschiedene Baumarten hautnah. Auch das ist ein seltsamer Anblick, den man sonst so nicht sehen kann - so dicht am Blattwerk.


Teilweise war man viel höher als die Gebäude und die Bäume


Und manchmal ist man mit den Ruinen Aug-in-Aug.


Der Baumkronenpfad bietet zusätzlich Kletterattraktionen für Groß und Klein. 
 

Da mussten wir natürlich auch durch! *lach*


Später haben wir dann noch eine Führung in der Alten Chirurgie mitgemacht. Das war das letzte Gebäude, das auf dem Gelände fertig gestellt wurde. Schon deutlich moderner und im Moment außen teilsaniert, damit man sich mal vorstellen kann, wie das Ganze damals gewirkt hat


Hier waren die Liegehallen direkt vor den Zimmern.
Innen in marodem Zustand wie alle Gebäude.


Aber auch hier ein ganz spezieller Charme der Architektur!
Der Bauschutt, abgeplatzte Putz... wurde einfach nur am Rand zusammen geschoben damit die Besucher durchgehen können...


In nur wenigen Räumen noch altes Inventar:


Die Klinik wurde von Kriegsende bis in die 90er hinein als russisches Militärkrankenhaus genutzt, das einen guten Ruf hatte. Vandalismus und Verfall setzten erst nach dem Abzug der Russen ein. Dafür dann umso heftiger!
Ziel der neuen Eigentümer ist Notsicherung. Es werden wohl keine Gebäude tatsächlich saniert werden. Umso mehr haben wir gestaunt, als auf der anderen Straßenseite - im ehemaligen Männerkomplex - tatsächlich eines der Häuser fast fertig saniert war. Wunderschön!
 

Das gehört vermutlich zur aktiven neurologischen Klinik, die man in der Ferne sehen konnte. Nun hoffen wir, dass es irgendwie gelingt, die Häuser vor dem weiteren Verfall zu bewahren. Denn die Architektur damals hatte einfach was....
 


Dann mussten wir weiter, denn neue Abenteuer warteten auf uns! Aber davon berichte ich Euch ein anderes Mal.