Dort gibt es zwei sehr spannende Felder:
- eine alte, exotische Handarbeitstechnik ausprobieren
- Leinengarn verwenden
Als ich das gelesen habe, fiel mir natürlich sofort der Klöppelsack ein, der in irgendeiner Kiste auf dem Boden schlummert. Nun war die Tochter da - die auch einen Klöppelsack in einer Kiste besitzt - und wir haben mutig aus dem ganzen Haus zusammen getragen, woran wir uns erinnern konnten: zwei große Kartons vom Boden, eine große Schachtel aus dem Keller, diverse Literatur aus unserer Bibliothek und dazu zwei Holzkistchen mit verschiedenen Garnen...
In all diese Behältnisse haben wir viele, viele Jahre nicht hinein gesehen, die Tochter war noch ein Kind, in ihrer Kiste waren neben dem Klöppelsack allerhand Kinderbücher und eine größere Menge Fenstermalfarbe, die muss 25 Jahre alt sein!
Und ich selbst war auch erschrocken, was für ein Chaos das war! Die Nadeln in einer Blechdose sind vollkommen verrostet:
Die Klöppel waren alle mit Garnresten bewickelt.
Das ist normal, man knotet nach Bedarf an. Aber ich hätte niemals mehr sagen können, welches Garn da drauf ist!
Während mein Klöppelsack leer war, schlummert auf dem der Tochter ein begonnenes Projekt. Das wird vermutlich niemand mehr beenden, beide hatten wir keine Lust darauf!
Zumal die spannende Frage im Raum steht, ob ich das überhaupt noch kann! Aber es ist vermutlich wie beim Radfahren: einen "abgerutschten" Klöppel konnte ich quasi blind wieder mit der nötigen Schlaufe versehen, da musste ich nicht nachdenken...
Auf dem Klöppelsack der Tochter sind neuere Klöppel. Diese Hülsenklöppel wurden im Erzgebirge verwendet im Gegensatz zu den hülsenlosen, die aus Flandern stammen. In meinem Fundus gibt es noch uralte mit ganz dünnen Hülsen, die machen so ein wunderbares Geräusch beim Klöppeln! Da kommt kein moderner Klöppel mit...
In den Garndosen befinden sich ganz viele verschiedene Garne, neben ein paar wenigen echten Leinenklöppelgarnen auch viel Häkel- und Kunststrickgarn, das ich auch zum Klöppeln verwendet habe. Was macht man denn bloß damit?
Das Klöppeln habe ich gelernt als ich vielleicht 18 Jahre alt war. Damals gab es eine kirchliche Werkwoche: 5 Tage lang konnte man eine seltene handwerkliche Technik erlernen. Ich fand das Klöppeln spannend und hatte per Annonce eine gebrauchte Grundausstattung erworben und bin damit zur Werkwoche nach Leipzig gefahren. Blöde Idee! Nach der Woche beherrschte ich zwar die Grundschläge, aber hatte eine fette Überlastung der rechten Schulter, die ich nie wieder richtig losgeworden bin.
Trotzdem habe ich über die Jahre verschiedene Dinge geklöppelt, war eine Zeit lang auch in einer Gruppe tätig. Aber es blieb mir immer ein inneres Dilemma: auf der einen Seite finde ich diese Technik hochspannend - auf der anderen Seite passen zu meinem eigenen Lebensstil die geklöppelten Spitzen eher nicht. Ich habe also in der ersten Zeit viel verschenkt - an die Altvorderen der Familie, die sich sehr gefreut haben. Inzwischen sind die Dinge teilweise wieder zurückgeerbt... Neeeeiiiin! *lach*
Später habe ich ein paar modernere Sachen probiert, zum Beispiel dieses Bild
oder diesen kleinen Wandhänger.
Damit konnte ich mich dann deutlich mehr identifizieren. Aber eigentlich bin ich mit der Technik "durch" und bis zum Schmuck klöppeln ist es nicht gekommen.
Ich weiß nicht, wann ich zuletzt mit den Klöppeln geklappert habe, in diesem Haus jedenfalls wohl noch nicht und hier wohnen wir seit 12 Jahren... Die letzten Arbeiten waren wohl solche Weihnachtshängerchen:
In den Kisten fanden sich neben den Klöppelbriefen auch ein paar wenige fertige und halbfertige Dinge.
Eigentlich ein UFO - es fehlt nur der Stoff in der Mitte und man hätte ein Weihnachtsdeckchen.
Ein Kragen, die Bluse dazu wurde nie genäht:
Ein Klöppelbrief wird auf Pappe geklebt oder gemalt und ist quasi die Arbeitsanleitung. Darauf wird durch Drehen und Kreuzen der Klöppelpaare das Muster gebildet und jeweils an den Eck- und Kreuzungspunkten mit Stecknadeln fixiert. Hier seht ihr mal Brief und Ergebnis nebeneinander.
Das Deckchen ist fertig und nicht schlecht, finde ich. Aber ich werde es mir sicher nicht auf irgendeine Kommode legen... *seufz*
Die alten verschieden starken und verschiedenfarbigen Garne haben wir erst mal abgewickelt
Zum Glück hatte ich dabei tatkräftige Hilfe!
Nun muss ich mich erst mal in Ruhe durch alles durchsortieren. Fest steht schon mal, dass die Tochter ihren Klöppelsack nicht behalten möchte. Und ich muss mich entscheiden:
- Alles weggeben?
- Zum "Abschied" noch mal ein Bingo-Projekt klöppeln?
- Was mit den Dingen machen? Gibt es überhaupt noch Interessenten für so eine Technik?
- Oder doch etwas behalten?
Ich weiß nicht...